Entgegen dem bundesweiten Trend ist die Zahl der Privatinsolvenzen in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr leicht gesunken. Laut Schuldenbarometer der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel ging die Zahl der Privatpleiten auf 4655 zurück. Im Jahr 2009 waren es noch 4719 gewesen.

Magdeburg (dapd). Deutschlandweit mussten im vorigen Jahr 139110 Menschen den Weg in die Privatinsolvenz antreten – 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und im Saarland ging die Zahl zurück.

Mit 198 Pleiten je 100000 Einwohner liegt Sachsen-Anhalt dennoch über dem Bundesdurchschnitt (170). Nicht zuletzt deshalb fordert die Diakonie in Mitteldeutschland mehr Personal für die Schuldnerberatungsstellen in Sachsen-Anhalt. Die 26 Einrichtungen in freier Trägerschaft mit ihren elf Außenstellen im Land könnten den Bedarf nicht abdecken, sagte der Diakonie-Referent Johannes Spenn. Gegenwärtig komme im Bundesland ein Berater auf rund 66000 Einwohner, "angestrebt werden muss ein Schlüssel von eins zu 40000", sagte Spenn.

Schätzungen zufolge gibt es zwischen Altmark und Burgenland etwa 250000 Schuldner, die mit ihrer Lage nicht allein fertig werden. Nur etwa jeder Zehnte findet dabei den Weg in eine der Beratungsstellen freier Träger. Die offenen Forderungen betragen meist zwischen 25000 und 50000 Euro. Um den Beratungsbedarf zukünftig decken zu können, fordert Spenn mehr Unterstützung durch die Politik. "Wir brauchen mehr Geld für Personal und Sachkosten, um allen Anforderungen gerecht werden zu können", sagte er.

Hauptgrund für die Überschuldung sind offene Mietzahlungen, Stromrechnungen oder Forderungen von Versandhäusern. Ursachen dafür sind nach Einschätzung von Experten Arbeitslosigkeit und Beschäftigungen im Niedriglohnbereich. In den nächsten Jahren wird ein Anstieg der Schuldner bei Menschen über 50 Jahren aufgrund von Altersarmut erwartet.