Im Magdeburger Totschlags-Prozess deutete sich gestern möglicherweise eine Wende an. Nach der Aussage eines Zeugen, dem sich der Angeklagte anvertraute, nachdem er seine Ehefrau erstochen hatte, könnte es sich bei der Tat sogar um Mord gehandelt haben.

Magdeburg. "Am nächsten Tag wollte sich seine Ehefrau von ihm trennen." Dieser Satz des Zeugen elektrisierte gestern die Prozessbeteiligten im Magdeburger Totschlagsprozess. Hatte der 24-Jährige diesen Umstand bei seiner polizeilichen Aussage doch nicht erwähnt.

Trennung stand bevor

Er habe das dem Telefongespräch entnommen, das Manuela Z. geführt habe, als ihr Mann zur Tanke unterwegs gewesen sei, um alkoholischen Nachschub zu holen, sagte Andy Borstel aus. Zudem habe er nach der Tat, als ihm Maik Z. die Tötung gestanden und die Leiche gezeigt habe, erfahren, dass auch der 41-jährige Ehemann von der bevorstehenden Trennung gewusst hatte.

Diese Aussage des Nachbarn könnte erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Hauptverhandlung haben und die bisherige Totschlagsanklage auf ein höheres Niveau heben. Sollte sich herausstellen, dass das Tatmotiv die angekündigte Trennung war, könnte es sich um einen "niedrigen Beweggrund" handeln. Dann stünde Mord im Raum.

Die sogenannte Auffindesituation am 7. November 2010 im Schlafzimmer könnte zudem auf ein weiteres Mordmotiv hindeuten. Hat die 41-Jährige geschlafen, als ihr Mann zum Messer griff, wäre der Täter mit "Heimtücke" vorgegangen.

Doch angeklagt ist Maik Z. wegen Totschlags. Der Mann, der als eifersüchtig charakterisiert wird, der wie seine Ehefrau täglich große Mengen Bier und Schnaps trank, soll Manuela Z. mit 48 Messerstichen umgebracht haben.

Der Angeklagte ließ gestern seinen Anwalt Perry Andrae eine Erklärung verlesen. Darin räumte er ein, immer mehr getrunken zu haben. Besonders schlimm sei es seit einem Jahr gewesen.

"Wenn ich betrunken war, wurde ich sehr eifersüchtig." Es sei auch zu Handgreiflichkeiten gekommen. Am Tattag habe er mit seiner Frau bereits ab dem Morgen getrunken und an den folgenden Abend keine Erinnerung mehr. "Erst bei der Polizei bin ich wieder zu mir gekommen."

Er wolle nun keinen Tropfen Alkohol mehr anfassen und bat die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Magdeburg, ihn in eine Therapie einzuweisen.

Blaue Flecken und Blut

Der 22 Jahre alte Sohn der Getöteten, der als Nebenkläger im Gerichtssaal sitzt, schilderte das Leben seiner Mutter mit dem Angeklagten. Auch er beschrieb, dass der Tagesablauf der beiden Hartz-IV-Empfänger von Bier und "Klarem" bestimmt wurde. Seine Mutter habe zweimal eine Therapie abgebrochen, weil sie geglaubt habe, es allein zu schaffen.

Blaue Flecken, Blut auf dem Fußboden – beschrieb er die Übergriffe seines Stiefvaters. Bezeichnend sein Satz: "Es war nur eine Frage der Zeit, dass so etwas passiert."

Nachbar Andy Borstel war in der Tattnacht gegen 0.20 Uhr von Maik Z. aus dem Bett geklingelt worden. Der 24-Jährige, der im Parterre des Tathauses wohnt, hatte Z., der "acht halbe Liter im Beutel mitbrachte", hereingelassen. "Mir waren sofort die Schnittwunden an der rechten Hand und Blutspritzer aufgefallen", sagte er gestern aus. "Zwei Stunden haben wir erzählt. Maik war betrunken, aber konnte ganz normal reden."

Auf einmal habe Z. gesagt: "Nun bin ich meine Frau los. Ich habe sie abgestochen." Er habe das jedoch nicht glauben wollen. "Ich dachte, der verarscht mich." Daraufhin habe ihn der Nachbar aufgefordert: "Dann komm mit hoch!"

Im Schlafzimmer habe er dann die nackte, blutüberströmte Leiche gesehen. Das Messer habe im Bauch gesteckt. Z. habe gesagt: "Guck, die Alte ist tot." Als Grund für seine Tat habe der Nachbar gesagt: Die ging mir auf den Sack. Die wollte zu ihrem Ex zurück. Z. habe dann sein Handy gezeigt, von dem er alle Fotos seiner Frau und alle Nachrichten von ihr gelöscht hatte.

Borstel habe große Angst bekommen, dass der Nachbar auch ihm etwas antun könnte. Er habe dann den Vorwand, von der Tankstelle Bier zu holen, genutzt, um die Polizei zu alarmieren.