Magdeburg. Die Querelen um die Berücksichtigung von Frauen bei der Postenbesetzung in der CDU sind beim Landesfrauenrat Sachsen-Anhalts auf harte Kritik gestoßen. Dessen Landesvorsitzende Eva von Angern teilte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) jetzt in einem dreiseitigen Schreiben ihre Sorgen und ihr Entsetzen über die jüngsten Entwicklungen mit. "Wir sind erschüttert über das Ausmaß an Respektlosigkeit, mit der Frauen begegnet wird, die sich im Landesverband und auch in der CDU-Landtagsfraktion engagieren", schrieb von Angern, die auch Landtagsabgeordnete der Linken ist.

Bei der Wahl der zehn fachpolitischen Sprecher in der CDU-Fraktion vorige Woche waren alle Frauen leer ausgegangen. Bereits zuvor war der innerfraktionelle Streit hochgekocht. Nach einer erneuten Auseinandersetzung hatte Vize-Fraktionschef Holger Stahlknecht gesagt, dass ihm das "Eierstockgehabe" auf den Geist gehe. Stahlknecht hat sich dafür entschuldigt.

Von Angern wirft Haseloff vor, seinen eigenen Maßstäben nicht gerecht zu werden. So strebe die Koalition zwar an, 40 Prozent gehobener Positionen im Landesdienst mit Frauen zu besetzen - jedoch habe Haseloff in die zehnköpfige Ministermannschaft nur zwei Frauen berufen. Unter den 11 Staatssekretären ist sogar nur eine Frau. Dies wirke "demotivierend", schrieb von Angern. Mehr Chefinnen seien aber nötig, um die Entwicklung weiblicher Führungskräfte "gegen manifeste Widerstände in den Verwaltungen" zu ermöglichen.