Die Camper am Wolmirsleber Schachtsee bei Egeln sind äußerst beunruhigt. Grund dafür ist der Verkauf des beliebten Erholungsobjekts mit Gastronomie, Verkaufseinrichtungen, Sport- und Freizeitmöglichkeiten, der heute notariell festgeschrieben werden soll. Inzwischen wurde bekannt, dass der Käufer der sogenannte Pate von Leipzig ist. Joachim N. galt Anfang der 1990-er Jahre in der Messestadt als "Schlüsselfigur der Unterwelt".

Egeln. In der Einladung zur Ratssitzung der Verbandsgemeinde Egelner Mulde am 4. Mai war von einem "Interessenten" für den Campingplatz die Rede. Ein Name war nicht erwähnt. Erst als der Sachse das Rederecht bekam, fiel sein Name – Joachim N.

Da machte es bei den Ratsmitgliedern jedoch noch nicht "klick". Die 20 Abgeordneten waren froh darüber, dass sich für die finanzielle Last, die die Kommune seit Jahren drückte, ein Interessent gefunden hatte. Lediglich vier Räte stimmten gegen den Bewerber.

Erst, als sich einige Abgeordnete im Internet für den künftigen Eigentümer des Großen Schachtsees interessierten, wurde klar, wer der 58-Jährige ist: Ein "schillernder Gastronom", der in Leipziger Ermittlerkreisen als "Schlüsselfigur der Unterwelt" galt.

1992 war "Lolo", der damals Besitzer von fünf Kneipen war und dem beinahe jeder Spielautomat Leipzigs seine Taschen füllte, von einer Sondereinheit der Polizei im "Lady Liberty" festgenommen worden.

Anklagepunkte: gefährliche Körperverletzung, Anstiftung zur schweren räuberischen Erpressung, gemeinschaftlicher erpresserischer Menschenraub, illegales Glücksspiel, unerlaubter Waffenbesitz. N. wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

2009 stand er erneut vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf N. vor, einem Mann, der in seinem Lokal "K17" die Zeche für zwei Flaschen Schampus (500 Euro) geprellt haben sollte, in der Leipziger Mädler-Passage ein Bierglas ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Prozess endete mit gütlicher Einigung.

Nachdem bekannt geworden war, wer der Schachtsee-Käufer ist, befürchten nun die Camper, dass der "Pate" seine Leipziger "Geschäfte" auf das See-Gelände mit mehr als 100 Plätzen ausdehnen könnte.

Manfred Fürst, Chef des Campingrates, war sprachlos, als er die Neuigkeit hörte. "Wir hatten einen Campingfreund an der Hand, der ein Super-Konzept hatte und alle banktechnischen Dinge schon unter Dach und Fach." Der Mann habe zudem mit der Verbandsgemeinde "Vorabsprachen" getroffen.

Dass der Leipziger den Zuschlag bekommen habe, nachdem die Frist für die europaweite Ausschreibung bereits abgelaufen sei, verwundert die Campingfreunde. 50000 Euro soll der Kaufpreis des Objekts – Verkehrswert 225000 Euro – betragen. Rund 65000 Euro sollen durch die Vorauszahlungen der Camper in der Kasse sein.

Michael Stör, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, hat keine Probleme mit dem Vorleben des Käufers. "Ich habe eine Auskunft von der Creditreform eingeholt und mich mit der Gemeinde Aken, wo Herr N. den Zeltplatz und das ,Akazienbad‘ betreibt, in Verbindung gesetzt und nur Gutes gehört." Er halte N. für fähig, das Objekt ordentlich zu führen. "Und das ist doch das Wichtigste, oder?"

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