Haldensleben. Die Aufregung war Guido M. anzumerken. Nervös knetete der Farsleber seine Hände, als am Dienstag im Saal 14 des Haldensleber Gerichts die Hauptverhandlung gegen ihn eröffnet wurde. Der 19-Jährige ist angeklagt, im Juli 2010 drei Brände gelegt zu haben. Zweimal soll das ehemalige Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Farsleben (Landkreis Börde) in Waldstücken gezündelt haben, zudem soll er als Brandstifter für ein Großfeuer in der Samsweger Milchviehanlage verantwortlich sein. Der Gesamtschaden der Brände wurde von der Polizei damals mit rund 800000 Euro angegeben.

Vor Gericht gab M. zu, die ihm vorgeworfenen Feuer gelegt zu haben. "Ich bin am 20. Juli einfach so mit dem Motorrad rumgefahren und hatte Schmerztropfen intus", schilderte er den ersten Fall. Dann hätte er angehalten, eine Zigarette geraucht, anschließend mit dem Feuerzeug "rumgeschnippst" und dieses dann an Äste gehalten. Ähnlich hätte es sich verhalten, als er in der gleichen Nacht noch einmal an anderer Stelle im Wald zwischen Farsleben und Mose einen Brand legte. Als es dann brannte, hätte er nur Angst empfunden. Die Feuerwehr alarmierte er allerdings nie selbst, das taten Zeugen, welche die Feuer bemerkt hatten.

Der Auszubildende, der im Sommer seine Lehre als Kaufmann im Einzelhandel beenden will, zeigte sich vor Gericht zwar geständig, gab aber den von ihm genommenen Schmerztropfen und häuslichem Stress die Schuld an seinen Taten, für die er ansonsten auch heute – fast ein Jahr danach – keine andere Erklärung finde.

Aufgrund von starken Schmerzen in Knie und Rücken habe er – auch tagsüber an seinem Ausbildungsort – regelmäßig eine Überdosis der Tropfen genommen, weil diese ihm immer nur stundenweise Linderung verschafften. Auch zum Zeitpunkt der Taten habe er unter dem Einfluss des Medikamentes gestanden, das dafür gesorgt hätte, "dass um mich herum alles weg war" und "Teile des Gedächtnisses" weg gewesen seien.

Staatsanwalt Gernot Sottek wollte diese Erklärung nicht so recht glauben. "Dafür erinnern sie sich viel zu detailliert an die Taten." Geladene Zeugen, die Guido M. immer kurz nach dessen Zündeleien getroffen hatten, gaben zu Protokoll, dass der Beschuldigte im Gespräch nicht verwirrt gewirkt oder gar gelallt hätte. "Er war sehr klar und höflich", erklärte ein Autofahrer, den der damals 18-Jährige auf der Bundesstraße 189 angehalten hatte. "Er fragte, ob ich ein Telefon habe, um damit die Feuerwehr anzurufen. Denn ¿dahinten brennt es wieder und ich fahre da auch gleich noch mal hin‘, sagte er."

Die Verhandlung wurde vertagt, weil M.’s Pflichtverteidiger Heiko Schnürer noch den Leiter der Farsleber Feuerwehr als Zeugen hören wollte, obwohl die Vorsitzende Richterin und der Gutachter das für unnötig hielten. "Er ist der einzige, der uns darüber Auskunft geben kann, in welchem Verhältnis mein Mandant zum Feuer steht", so Schnürer.