Magdeburg/Bad Arolsen (dapd).Mithilfe eines Suchdienstes hat ein in Lettland lebender Mann nach 66 Jahren seine Familiengeschichte rekonstruiert – und ist in Magdeburg fündig geworden. Der 70-jährige George Jaunzemis wurde als Kind von seiner Mutter getrennt und lebte jahrzehntelang ohne jegliches Wissen über seine Herkunft und seine leibliche Familie, wie eine Sprecherin des Internationalen Suchdienstes (ITS) im hessischen Bad Arolsen gestern sagte. Am Freitag will George Jaunzemis erstmals in seine Geburtsstadt Magdeburg kommen, um einen hier lebenden Cousin zu treffen.

Jaunzemis war den Recherchen des ITS zufolge am 28. Oktober 1941 unter dem Namen Peter Thomas in Magdeburg gebo- ren worden. Seine Mutter hatte damals ein Verhältnis mit einem belgischen Zwangsarbeiter. Nach Kriegsende heirateten die beiden und gingen nach Belgien. Die Mutter wurde jedoch als Deutsche interniert und von ihrem Kind getrennt. Nach ihrer Freilassung war das Kind verschwunden. Jahrelang suchte die Mutter vergeblich nach ihrem Kind. Sie starb 2009 in Brüssel.

Eine lettische Zwangsarbeiterin hatte sich des Kindes angenommen und es unter dem Namen George adoptiert. Sie wan- derte 1949 mit ihm nach Neu- seeland aus. Jaunzemis lebte bis 2000 in Neuseeland und ging dann mit seiner Frau nach Riga.

Im Oktober 2009 wandte sich Jaunzemis an den ITS. Über ein Jahr lang trugen die Mitarbeiter des Suchdienstes Dokumente zusammen, bis sie die Geschichte schließlich vollständig rekonstruieren konnten.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war lange Zeit die Suche nach Vermissten und überlebenden Familienangehörigen die Hauptaufgabe des ITS. Inzwischen stellt die eigentliche Sucharbeit zwar nur noch einen geringen Prozentsatz der Gesamt- tätigkeit des ITS dar, dennoch können auch heute noch Schicksale geklärt werden, wie das Beispiel Jaunzemis zeigt.