Hohenwarthe. Nach dem Überfall auf einen Busfahrer am vergangenen Sonntag in Hohenwarthe (Jerichower Land) stand eine Frage im Raum: Warum hatte der Fahrer die Polizei erst verständigt, nachdem der 20-jährige Angreifer in Magdeburg ausgestiegen war?

Der unter Drogeneinfluss stehende Mann hatte dem Fahrer eine Gaspistole an den Kopf gehalten, um ihn zur kostenlosen Mitfahrt zu zwingen.

"Unsere Busse sind mit Fahrkartendruckern ausgestattet, mit denen der Fahrer auch telefonieren kann", sagt Jutta Frömmrich, Geschäftsführerin der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL), zu der die Personennahverkehrsgesellschaft Burg, deren Fahrer überfallen wurde, gehört. "Die Fahrer können sich wichtige Nummern als Favoriten einspeichern oder selbst wählen." So könnten Nachrichten an den Einsatz- oder den Betriebsleiter gesendet werden. Allerdings ist ein versteckter Notruf nicht möglich.

"Unsere Fahrer wurden im System geschult. Aber im Moment der Gefahr, sagte uns der Fahrer, wusste er nicht, wie er den Notruf absetzen sollte", so Frömmrich. Laut NJL-Geschäftsführerin gibt es jährliche Schulungen für die Fahrer, wie sie im Ernstfall Konflikte bewältigen können. Der aktuelle Anlass dient nun dazu, die Fahrer erneut im System und der Konfliktbewältigung zu unterweisen.

Auf Videokameras verzichtet die NJL als 100-prozentige Tochtergesellschaft des Kreises aus Kostengründen (2500 Euro pro Bus).

Für Notruftaster in allen 54 Bussen haben sich die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) entschieden.

Zusätzlich sind einige Busse mit Videokameras ausgestattet.

Eine Vorschrift, ob und wie Busse des öffentlichen Nahverkehrs mit einem Notrufsystem ausgestattet sein müssen, gibt es in der Bundes-Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr nicht. Lediglich in Taxen und Mietwagen sind vom Fahrersitz aus bedienbare Alarmanlagen vorgeschrieben und Trennwände erlaubt.

Für gleiche Standards und mehr Sicherheit der Busfahrer setzt sich die Gewerkschaft Verdi ein. "Wir fordern eine Vorschrift, die Funk oder Notschalter in den Bussen vorschreibt", erklärt Verdi-Sprecher Stefan Heimlich. "Viele Busse sind schon gut ausgestattet, aber eben nicht alle."