Die fürs nächste Jahr geplante "Hygiene-Ampel" für Restaurants stößt bei Sachsen-Anhalts Gastronomen auf Bedenken. Befürchtet wird, dass das System den Wettbewerb verzerrt. Auch die Bürger sind teilweise noch skeptisch.

Magdeburg. Die "Hygiene-Ampel", die Restaurantbesucher künftig über die Sauberkeit in Gaststätten aufklären soll, stößt auf Bedenken. Mit dem beschlossenen Kontrollsystem folgen die Verbraucherschutzminister dem Beispiel Berlins, in dessen Bezirk Pankow bereits seit zwei Jahren ein ähnliches System betrieben wird. In Sachsen-Anhalt herrscht derzeit noch Skepsis.

So kritisiert Wolfgang Schildhauer, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen-Anhalt, die jetzige Ausgestaltung als "oberflächlich": Zum einen würden Bereiche, die zur Qualität eines Restaurants beitragen, zu Unrecht außen vor gelassen. Das sei etwa beim Angebot von Diätkost oder glutenfreier Ernährung der Fall. Zum anderen sei es unfair, dass andere Händler, etwa Fleischer, erst später in das Bewertungssystem integriert werden sollen. "Gastronomen sind auch nur Verbraucher. Wer garantiert, dass die von ihnen gekauften Produkte hygienisch einwandfrei sind?", so Schildhauer.

Außerdem empfindet Schildhauer den roten Bereich der "Hygiene-Ampel" als unsinnig. "Wenn ich das als Besucher sehe, gehe ich doch gar nicht in das Lokal hinein", sagt er.

"So eine Gaststätte müsste man ohnehin sofort schließen", findet Hildegard Speth, die die Diskussion um die "Hygiene-Ampel" in den Medien verfolgt hat. "Wenn die hygienischen Zustände so schlimm sind, müsste das doch machbar sein", sagt die Magdeburgerin. Überzeugter zeigt sich Gabriele Aschenbrenner (56) von dem neuen System. "Es gibt ziemlich viele Gaststätten, in denen die Hygiene nicht optimal ist", sagt sie. Ihr selbst sei beim Restaurantbesuch vor einigen Jahren sogar schon mal eine Kakerlake auf dem Teller begegnet. "Deswegen finde ich das geplante Bewertungssystem völlig in Ordnung."

Dass das System nicht dem Alltag in Restaurants gerecht werden könnte, befürchtet hingegen der Stendaler Gastronom Rico Festerling. "Es gibt Tage, an denen in einem Restaurants nichts los ist. Da wird geputzt wie wild. Aber es gibt auch sogenannte Großkampftage, an denen der Laden brummt und eben nicht sofort alles weggeräumt werden kann", so Festerling. Um so entstehende Zufallsbewertungen zu vermeiden, bräuchte es regelmäßige Kontrollen, so der Gastronom weiter.

Ähnliche Bedenken äußert Detlef Dahms, Geschäftsführer eines Magdeburger Restaurants: "Durch Pächterwechsel und unregelmäßige Kontrollen entsteht eine Wettbewerbsverzerrung, für die der aktuelle Betreiber mitunter gar nichts kann", sagt er. Auch Gastronom Roland Schöne lehnt die "Hygiene-Ampel" ab. Das sei ein "Eingriff in die Selbständigkeit von Gastwirten", findet der Halberstädter.

Die Verbraucherschutzminister wollen, dass die "Hygiene-Ampeln" bereits ab dem 1. Januar 2012 in den Lokalen aushängen. Aber nicht nur bis dahin lautet die Empfehlung von Gastwirt Schöne: "Schauen Sie sich die Toiletten an. Wenn die sauber sind, ist es die Küche meistens auch."