Einmal im Jahr wächst das 21 000-Seelen-Städtchen Oschersleben auf das Dreifache an: Wenn zum Opel-Treffen zehntausende Fans aus aller Welt in die Motorsport Arena pilgern. Vier Tage lang wird gefahren, gefeiert und fotografiert. Gestern ging die 16. Auflage des Spektakels zu Ende.

Oschersleben. Startnummer 48 ist als nächster dran. In der Fahrerkabine des Opel Speedsters sitzt Michael Maehlen, bereit für den Start. Die Zuschauertribüne nimmt er jetzt nicht wahr, nur das Lichtsignal. Im Halb-Sekunden-Takt blinkt es dreimal gelb, dann springt die Ampel auf Grün. Die Chancen für den 35-Jährige aus Nordrhein-Westfalen stehen gut, er hat schon öfter an solchen Rennen teilgenommen. Mit einem Auto, von dem seine Freunde scherzhaft behaupten, es sei eine Waffe.

Von den 68 000 Auto-Fans, die zum 16. Opel-Treffen nach Oschersleben gereist sind, verfolgen einige hundert die Qualifizierung von der Tribüne aus. Viele tragen Shirts mit einem aufgedruckten Opel-Blitz auf dem Rücken, manche trinken Bier aus Plastikbechern, andere essen gegrillte Würstchen von Papptellern. "In 6,8 Sekunden will er das schaffen", informiert der Streckenkommentator per Lautsprecher über das anvisierte Ziel des Fahrers.

Maehlen startet gut, sein Auto wird schneller. "Hier purzeln ja die Rekorde", jubelt der Kommentator. Die Achtelmeile fährt Maehlen in 6,5 Sekunden, das ist schnell. Es ist zu schnell. Denn beim Achtelmeilen-Sprint geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um präzise Vorhersagen: Wer am genauesten die von ihm bestimmte Zeit fährt, gewinnt. Maehlen war drei Zehntelsekunden zu schnell.

Auf der Tribüne sitzt Marco Wicht aus Gifhorn. Der 34-Jährige Lagerstapler hat sich ex-tra Urlaub genommen, um beim Opel-Treffen dabei zu sein. Die Achtelmeilen-Sprints sind für ihn eines der Highlights des viertägigen Renn-Spektakels. Doch mit seinem eigenen Opel anzutreten? Viel zu schade. "In meinem Wagen stecken rund 30000 Euro. 20000 werden bestimmt noch dazukommen", sagt er. Gefallen würden ihm so genannte Metal-Flakes. Das sind Glitzerpartikel, die in Klarlack gemischt aufs Auto aufgetragen werden.

Ein paar hundert Meter weiter, auf einem abgesperrten Platz nahe dem Fahrerlager, riecht es nach verbranntem Gummi, verursacht durch ein zum Polizeiauto umlackierten Fahrzeug. Bevor das Auto unter einer selbst produzierten Qualmwolke verschwindet, wird es vom Fahrer mittels abruptem Gas- und Bremswechsel über den Platz gejagt. "Burn Out" nennt sich das, was aussieht wie ein metallener Bullenritt und die Aufmerksamkeit vieler Kameras erzielt.

Von alledem ist auf den Campingplätzen nichts zu sehen. Dort haben Stefanie Marquart, Andrea Breitsameter und Robert Buck, die gemeinsam mit Freunden von Augsburg angereist sind, ein aufblasbares Planschbecken mit Wasser gefüllt und kühlen darin abwechselnd Getränke und ihre Füße.Ihr Lager haben sie schon am Donnerstag aufgeschlagen, sich unter einer Plane eine Küche eingerichtet. Bunsenbrenner, Dosenessen und Camping-Geschirr stehen bereit, draußen erzählt eine wehende Bayernfahne von ihrer Herkunft. "Es ist einfach ansteckend", versucht Stefanie Marquart den "Opel-Virus" und ihre Begeisterung für die Fan-Treffen zu erklären. "Die Atmosphäre, der Zusammenhalt, die schönen Autos – einfach alles zusammen!"

Das finden nicht nur die Fans, sondern auch die internationale Fachpresse. Der Fotojournalist Steve McCann berichtet schon zum dritten Mal für ein britisches Motorsport-Magazin aus Oschersleben. Sein Fazit: "Es ist unglaublich."

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