Wie die beiden schweren Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit dem Oscherslebener Opel-Treffen hätten verhindert werden können, darüber diskutieren jetzt Politik, Veranstalter und der Automobilclub ADAC. Die Vorschläge reichen von zusätzlichen Fahrprüfungen bis hin zum PS-Limit für Fahranfänger.

Magdeburg/Oschersleben. Vor dem Hintergrund der beiden schweren Verkehrsunfälle wirbt Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) für einen defensiven Fahrstil und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Gleichzeitig spricht er sich für ein Pferdestärken-Limit für junge Autofahrer aus. 75 PS müssten reichen, findet er. "Wenn eine Begrenzung der PS-Zahl für junge Autofahrer Todesfälle vermeiden hilft, sollten wir darüber ernsthaft nachdenken." Er selbst habe bis zu seinem 30. Lebensjahr ein Auto mit nur 40 Pferdestärken gefahren, so Stahlknecht weiter.

Allein am vergangenen Wochenende hat es landesweit 576 Verkehrsunfälle gegeben - die beiden schwerwiegensten fanden im Zusammenhang mit dem Opel-Treffen in Oschersleben statt. Deren Zahl der Todesopfer hat sich gestern auf sechs Personen erhöht. Der 21-jährige Autofahrer aus dem thüringischen Kreis Hildburghausen, der am Sonntag den schweren Unfall mit drei Toten auf der B 180 zwischen Aschersleben und Winningen verursacht haben soll, starb gestern in einem Krankenhaus.

Auch der Automobilclub ADAC bekräftigt seine Forderung nach einer Verschärfung der Fahrausbildung. So sollen Fahranfänger ein halbes Jahr, nachdem sie ihren Führerschein erworben haben, eine zusätzliche Fahrprüfung ablegen, sagt die Sprecherin vom ADAC-Regionalverband Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Christine Rettig. In Österreich, wo dieses Modell bereits in der Testphase steckt, habe man gute Erfahrungen damit gemacht. Weiterhin spricht sie sich dafür aus, Fahrsicherheitstrainings und psychologische Gespräche in die Verkehrsausbildung zu integrieren.

Trotz solcher Vorhaben weiß die Fachfrau, dass solche und andere Präventionsmaßnahmen bei jungen Fahranfängern nur bedingt greifen. Das zeige beispielsweise die Statistik: "Die 18- bis 25-Jährigen, also die sogenannte Problemzielgruppe, verursachen zwölf Prozent der Verkehrsunfälle, obwohl sie nur acht Prozent der Bevölkerung stellen", sagt sie. Hier seien familiäre Kontrollmechanismen vonnöten "Wenn sich ein Fahranfänger in sein getuntes Auto setzt und losrast, müsste die Familie eigentlich gegensteuern."

Der Oscherslebener Bürgermeister Dieter Klenke zieht derweil in Betracht, die Geschwindigkeiten am Austragungsort des Opel-Treffens großräumiger herabzusetzen. "Bisher wurde die zugelassene Höchstgeschwindigkeit auf der Bundesstraße 246, der Hauptzufahrtsstraße zur Motorsport-Arena, bei Großveranstaltungen von 70 auf 50 Stundenkilometer gesenkt", sagt Klenke. Jetzt werde die örtliche Sperrkommission, bestehend aus Polizei, dem Ordnungsamt Oschersleben und dem Straßenverkehrsamt des Landkreises, über weitere Möglichkeiten diskutieren, so der Bürgermeister.

Auch Sven Glöckner, der Veranstalter des Opel-Treffens, denkt über zusätzliche Maßnahmen nach. "Sicherheitsaktionen, die bisher lediglich auf dem Veranstaltungsgelände stattfanden, wollen wir ausweiten." So sollen beispielsweise Internet-Foren, in denen sich die Auto-Fans und Besucher des Opel-Treffens bewegen, in die Präventionsarbeit eingebunden werden. Meinung

   

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