Freyburg (dapd). Karin Röthke schwenkt behutsam den Wein in ihrem Glas, nimmt einen Schluck und spuckt ihn wieder aus. 115 Weine und 2 Sekte testet die 49-Jährige gestern bei der diesjährigen Weinprüfung des Weinbauverbands Saale-Unstrut in Freyburg. Der Jahrgang verspricht ein für die Anbauregion typisches Resultat: leicht, frisch und ein wenig spritzig.

Um die Weine unabhängig beurteilen zu können, bekommt Röthke die Proben "blind" vorgesetzt, das heißt, sie weiß nie, welchen Wein sie gerade testet. Zusammen mit sechs weiteren staatlich anerkannten Weinprüfern bewertet die Brandenburgerin Geruch, Geschmack und Harmonie der Weine. Getestet werden die Weine in ihren jeweiligen Güteklassen und nach Rebsorten. Am Schluss zählt das Durchschnittsergebnis der Jury.

Vor den Fenstern des Berghotels "Zum Edelacker", wo die Verkostung stattfindet, erstrecken sich die Weinhänge bis an den Horizont. Die Weine aus der Region seien besonders für ihre spritzige Frische bekannt, sagt Sven Lützkendorf, der als Prüfer für die Weinkontrolle des Verbraucherschutzamts an der Verkostung teilnimmt. Die Säure sei typischerweise präsent zu schmecken, jedoch nicht zu aufdringlich, sagt er. Zudem seien die Weine aus der Saale-Unstrut-Region eher leicht. Die meisten haben einen Alkoholwert um die zwölf Prozent.

Die jüngsten Jahrgänge seien jedoch sehr untypisch gewesen. Wegen der warmen Temperaturen seien die Weine oft sehr kräftig gewesen. 2010 scheine jedoch wieder ein charakteristischer Saale-Unstrut-Jahrgang zu werden, sagt Lütz- kendorf. "Zwar haben der harte Winter und der niederschlagsreiche Sommer die Ernteerträge sehr dezimiert, doch die Winzer haben das Beste daraus gemacht", sagt er. "Insgesamt ein etwas komplizierter Jahrgang mit ein paar sehr qualitätvollen Ergebnissen."

Am Ende vergaben die Weinprüfer 10 Gold-, 43 Silber- und 34 Bronzemedaillen.