Halberstadt. "Das muss sein!", ruft Amalia selbstbewusst in die Runde. Sie will auch auf die Station gehen, wo sie so viele Wochen gepflegt wurde. Dass die Zehnjährige wieder sprechen und laufen kann, grenzt an ein Wunder.

Als Amalia am 29. Januar nach dem schweren Zugunglück bei Hordorf mit 10 Toten und 23 zum Teil schwer Verletzten ins Ameos-Klinikum Halberstadt eingeliefert wurde, war nicht klar, ob sie überhaupt überleben würde. "Das war damals alles sehr emotional, als sie kam", erinnert sich Schwester Cornelia Baer, die wie alle im Raum sichtlich gerührt Amalia in den Arm nimmt. Narben an den Armen, das Reden geht noch ein bisschen schleppend – aber ansonsten bedankte sich gestern ein erst schüchternes, aber dann herrlich normales Mädchen bei allen, die sie operierten, betreuten und ihr den Weg zurück ins Leben bahnten.

Immer wieder bekam Amalia zu hören: "Wer ist denn das? Du bist ja gar nicht wiederzuerkennen!" Und ständig musste sie allen zeigen, wie beweglich Arme und Beine sind, wie sicher der Gang. Auf die Frage, wie es in der Reha war, kommt ein schlichtes: "Doof."

Das Mädchen, das bei dem Zugunglück einen großen Teil seiner Familie verlor, lebt inzwischen bei senem Vater. Stolz erzählt sie, dass sie ein eigenes Zimmer hat – in Lila, Weiß und Pink. Noch geht sie nicht in die Schule, aber sie freut sich schon darauf. Auch, dass sie wieder Flöte und Querflöte spielen kann, macht sie stolz, Amalia möchte gern wieder im Spielmannszug ihres Heimatortes Langenstein mitmachen, und hofft, dass bald ein paar Nägel aus dem linken Bein verschwinden, damit sie wieder reiten kann.