Stendal. Seit gestern steht eine Frau aus einem Ortsteil von Tangermünde (Landkreis Stendal) wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Stendal.

Laut Anklage soll die 56-Jährige aus Hämerten im Zustand verminderter Schuldfähigkeit am 26. Dezember vorigen Jahres nachts versucht haben, den im Gästezimmer des gemeinsamen Einfamilienhauses auf einer Couch liegenden Ehemann (57) zu erschlagen. Als Tatwaffe soll sie eine kurzstielige Axt "zielgerichtet" und "in Tötungsabsicht" verwendet haben. Der 57-Jährige bekam die Axtschneide auf den Kopf, konnte seiner Frau aber – selbst stark blutend – die Waffe entwinden. Wie er als Zeuge gestern aussagte, habe er sie dann in ein Zimmer gesperrt und sei mit dem Auto zum Bruder nach Stendal und anschließend ins Krankenhaus gefahren. Der Bruder alarmierte die Polizei.

Fünf Beamte trafen die Angeklagte im verschlossenen Zimmer an, neben sich eine halbleere Sektflasche. Eine Blutalkoholkontrolle ergab später 1,55 Promille.

Nach 31 Ehejahren habe ihr Mann sie im Oktober davon unterrichtet, dass es eine andere Frau gebe, mit der ein neues Leben beginnen wolle, sagte die Angeklagte aus. Bis nach Weihnachten wollte man allerdings den Schein waren und das Fest im Kreis der Familie verbringen. Das Aus ihrer Ehe vor Augen, habe sie sich unter Druck gesetzt gefühlt und auch Suizidgedanken gehabt. Heiligabend und der erste Weihnachtstag verliefen wie geplant. Nachdem die Familie weg war, habe ihr Mann gesagt, dass er am nächsten Tag das Haus verlassen wolle. "Er hielt sich nicht an die Abmachung", so die Angeklagte. Da habe sie die Axt geholt, um damit Laptop und Handy ihres Mannes zu zerstören. Beides habe er benutzt, um mit der Freundin zu kommunizieren. Was dann passiert ist, wisse sie nicht mehr. "Ich wollte meinem Mann nie was antun", sagte sie unter Tränen. Nach dem psychiatrischen Gutachten wird heute das Urteil erwartet.