In Mitteldeutschland wird sich der Mangel an Hausärzten vor allem auf dem Land weiter verschärfen. In Sachsen-Anhalt sei die klassische Landarztpraxis auf lange Zeit gesehen ein Auslaufmodell, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Burkhard John.

Magdeburg (dapd). Die Zahl der Dörfer ohne eigenen Arzt werde zunehmen, für die Betreuung von Patienten müsse es zunehmend neue Lösungen geben, betonte John. Auch in Sachsen und Thüringen zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab, dort fehlen in den nächsten Jahren zwischen 250 und 400 Mediziner in den Dörfern und Kleinstädten.

Die KV in Sachsen-Anhalt wolle versuchen, in dünn besiedelten Gebieten wie der Altmark Filialpraxen einzurichten, sagte John. In ihnen nutzten Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen zusätzlich zur eigenen Niederlassung die Räume gemeinsam, um kontinuierlich Sprechstunden anbieten zu können. Die ersten drei dieser Einrichtungen hätten ihre Arbeit aufgenommen, weitere drei bis vier sollen in diesem Jahr folgen. Sie werden von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben.

Als weitere Möglichkeit, die schwierige Situation zu bewältigen, sieht John den Einsatz speziell ausgebildeter Arzthelferinnen als Versorgungsassistentinnen. Sie blieben als Ansprechpartnerinnen ständig am Ort und nähmen zusätzliche Beratungsaufgaben wahr.

John nannte es nicht nur auf dem Land schwierig, Mediziner für eine Tätigkeit als Hausarzt zu gewinnen. Bundesweit zeige sich ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle beim Hausärztemangel. Auch beschränke sich das Problem nicht auf die neuen Bundesländer. In Sachsen-Anhalt gebe es gegenwärtig 1469 Hausärzte. Rund 200 von ihnen seien über 65 Jahre alt und gingen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. Knapp 400 Praxen seien momentan nicht besetzt.

In Thüringen gehen die Ärzte davon aus, dass sich die Zahl der Patienten pro Arzt bis 2020 mehr als verdoppeln dürfte, sollten Vertragsärzte ihren Praxissitz aufgeben und nicht mehr weitergeben. Die Landesärztekammer befürchtet ein solches Szenario vor allem auf dem Land. Denn während Hausärzte in den Städten häufig attraktivere Lebensbedingungen vorfänden, ließen sich Praxen in ländlichen Gebieten wegen der abnehmenden Bevölkerungsdichte häufig nicht mehr wirtschaftlich betreiben.

In Sachsen beurteilen die Ärzteverbände vor allem die Lage in den Bereichen Torgau-Oschatz und Mittlerer Erzgebirgskreis als schwierig. Dort drohe eine Unterversorgung im hausärztlichen Versorgungsbereich, hieß es. Um jungen Ärzten die Niederlassung als Hausarzt schmackhaft zu machen, können sie aus verschiedenen Fördertöpfen unterstützt werden. Neben Existenzgründerdarlehen für junge Ärzte gibt es schon für Medizinstudenten die Möglichkeit, am Programm "Studienbeihilfe" teilzunehmen, wenn sie sich im Gegenzug zur Niederlassung als Hausarzt nach Abschluss des Studiums verpflichten.