Mehr Blutplasma als gewohnt wird derzeit benötigt: Die Behandlung des hämolytisch- urämischen Syndroms (HUS) – einer Erkrankung, die vom EHEC-Bakterium hervorgerufen werden kann – erfordert große Mengen dieses flüssigen Blutbestandteils.

Magdeburg. MarcellHeim, Universitätsprofessor und Direktor der Magdeburger Uni-Blutbank, sagt: "Die Blutbanken an den Universitäten haben sich jetzt darauf verständigt, wie viel Blutplasma ans Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf abgegeben werden kann." Dort werden die meisten Akut-Patienten behandelt und dort ist das Blutplasma inzwischen knapp geworden. Insgesamt gebe es in Deutschland aber noch genügend Reserven. Heim: "Laut Gesetz muss Blutplasma vor Verwendung vier Monate tiefgekühlt in Quarantäne gelagert werden."

Erst danach, wenn beim Spender bei der Nachkontrolle keine gefährlichen Infektionen nachgewiesen wurden, darf das Plasma verwendet werden. Heim: "Das Plasma, was aus in diesen Tagen gespendetem Blut gewonnen wird, steht nicht sofort zur Verfügung." Wichtig seien die Spenden dennoch: Nur so können Vorräte, die jetzt abgeschmolzen werden, wieder aufgefüllt werden.

Mit diesem Umstand treten die täglichen Probleme der Blutspendedienste in den Vordergrund. So verweist Thomas Bischoff vom für Sachsen-Anhalt zuständigen Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes darauf, dass die Spendenbereitschaft sinkt. Insbesondere in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen. Betrug 2005 der Anteil der Blutspender in Sachsen-Anhalt in dieser Gruppe noch rund 19 Prozent, waren es 2010 nur noch 13 Prozent. "Die Vermutung liegt nahe, dass die Veränderung von Lebensumständen und eine zunehmende Individualisierung gerade jüngere Menschen einfach nicht mehr die Zeit zum Blutspenden finden lässt", sagt Bischoff. Für seinen Dienst sei diese Entwicklung umso bedrohlicher, da das Bewusstsein, wie wichtig Blutspenden sind, oft in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben wird. "Wenn die Altersgruppe der 30 bis 39-Jährigen derzeit immer weniger Blut spendet, wird es die zukünftige Generation vermutlich auch nicht machen", so Bischoff. Es gibt aber auch treue Unterstützer: Das DRK ehrt daher zum Weltblutspendetag am 14. Juni in Berlin Hans Jürgen Becker aus Oschersleben und Reinhard Reinelt aus Zahna (Kreis Wittenberg).

Insgesamt weniger Spender hat indes auch die Magdeburger Uni-Blutbank zu verzeichnen. Sprecherin Silke Schulze sagt: "Wir haben vergangenes Jahr – erstmals seit 2005 – einen leichten Rückgang der Anzahl der Spender zu verzeichnen." Allerdings sei in der Blutbank kein besonders deutlicher Rückgang der 30- bis 39-jährigen Spender festzustellen. "Wir haben in allen Altersgruppen weniger Erstspender, aber auch weniger Wiederholungsspender. Bedauer- licherweise ist seit Jahren die Zahl der Blutspender im Alter ab 50 sehr gering und nimmt nicht bemerkenswert zu, obwohl auch die Tatsache, dass es keine Altersbegrenzung für die Blutspende gibt, anderes erwarten ließe", erklärt Silke Schulze.

Besonders im Sommer fehlen Blutspender. Die Dienste setzen daher auf Aktionen: So gibt es zusätzliche Termine beim DRK-Blutspendedienst. Und die Mitarbeiter der Uni-Blutbank wollen an die Verlosung vom vergangenen Jahr anknüpfen: Damals hatte es 50-mal 2 Karten für eine Stadtrundfahrt mit dem Doppelstockbus für die gegeben, die während der Ferienzeit zum Aderlass erschienen waren. Und eine Facebook-Gruppe soll potenzielle Blutspender im Internet ansprechen.

Blutplasma wird indes nicht allein aus klassischen Blutspenden gewonnen. Bei der Plasmapherese kann es direkt gespendet werden – in der Uni-Blutbank oder bei Diensten wie dem Plasmaservice in Magdeburg.