Auch in Sachsen-Anhalt herrscht seit der Einführung des Öko-Benzins E10 große Verwirrung an den Tankstellen. Eine Stichprobe der Volksstimme an zehn Tankstellen ergab, dass der Kunde häufig mit neuen Bezeichnungen, Reduzierung von Tankplätzen und über die Preisschraube zu E10 "verführt" werden soll – bislang mit wenig Erfolg.

Magdeburg. Mehrere Reporter der Volksstimme-Redaktionen erkundeten gestern die Lage an der "Tankstellen-Front". Sie bekamen es vielfach mit wütenden Kunden und frustrierten Pächtern zu tun.

Nicole Lindemann, Mitarbeiterin bei Aral in Haldensleben: "Niemand fragt nach E10. Ein Kunde hat mir gesagt, er werde kein E10 tanken, solange der Polizei und der Regierungsflotte das Tanken von E10 verboten ist."

Bei Total in Magdeburg gibt es zwar noch kein E10, aber die Aufschriften an den Tanksäulen weisen schon auf E10 hin. Schlimmer noch: Über einzelnen Zapfpistolen kleben mal "Super"-Aufkleber, daneben "Super 95"-Aufkleber. Was soll das denn? Pächter Thoralf Tessmer: "Über die Super-Aufkleber kommen später noch E10-Aufkleber. Weil wir aber noch kein E10 anbieten, wird dort ohne Aufkleber im Moment Super ausgeschenkt, das gleiche Super wie daneben beim Super-95-Aufkleber." Der Pächter wirkt zerknirscht. "Ich kann nichts dafür. Ich bin doch nur der Pächter. Die Beschilderung macht meine Mineralölgesellschaft."

Agip in Halberstadt hat dagegen sehr viel E10, zu viel könnte man sagen. An zwölf Tanksäulen wird dort zwar überall der Ladenhüter E10 angeboten, aber nur an einer Säule herkömmliches Super mit 95 Oktan ausgeschenkt. Shell in der Hallischen Straße in Magdeburg verzichtet gleich ganz auf das gute alte Super. Das preiswerteste Benzin heißt dort "V-Power". An der Zapfsäule hängt ein Pappschild: "Geeignet für alle Ottomotoren 95/98 Oktan". Frage an den Tankwart: "Was denn nun? 95 oder 98 Oktan?" Antwort: "98 Oktan". "Und warum steht denn da 95/98 Oktan?" Der Shell-Tankwart grinst: "Damit die 95er wissen, dass sie auch 98 tanken dürfen."

Nicht nur Shell bietet kein herkömmliches Superbenzin mit 95 Oktan mehr an. Der ADAC hatte deshalb bereits den Mineralölkonzernen mit Klage gedroht. Das zeigte bei einigen Wirkung: Inzwischen gibt es wieder einen Trend hin zum alten Super – allerdings häufig zum höheren Preis von Super plus mit 98 Oktan wie bei Agip in Halberstadt. "Das Problem ist so nicht gelöst", schimpft Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. "Super muss angeboten werden, das ist gesetzliche Vorschrift. Und das zu einem moderaten Preis", sagt sie. "Dass herkömmliches Super so teuer wie Super plus ist, ist unakzeptabel."

Superplus ist ein Benzin, das vor allem von Sportwagen wie Porsche getankt wird. "Es hat mit 98 eine höhere Oktanzahl und einen etwas höheren Energiehaushalt als das herkömmliche Super mit 95 Oktan", erklärt Thomas Steffens vom ADAC in Hannover.

Die von der Volksstimme gestern besuchten Tankstellen boten zumeist herkömmliches Super zum geringeren Preis als Super plus an. Der Kunde will Super. Nur manchmal tankt einer E10. An der Sprint-Tankstelle in Gardelegen weiß Mitarbeiterin Alina Helm – zugezogen aus dem Sächsischen – wann das passiert: "Wenn eena de Dankheene vawechselt hat." Meinung