Leipzig. Drei Tage vor der Wahl des neuen MDR-Intendanten sieht sich der einzige Kandidat, Bernd Hilder, durch Angaben auf einem sechs Jahre alten amtlichen Formular blamiert. Auf dem vom 5. Februar 2005 datierten und mutmaßlich von Hilder unterschriebenen Anmeldebogen der Gebühreneinzugszentrale (GEZ), der der Volksstimme vorliegt, wurde auf die Frage "Zahlen Sie Rundfunkgebühren?" das Ja-Feld angekreuzt und dahinter handschriftlich vermerkt "leider". Aus dem Formular geht ebenfalls hervor, dass Hilder erst ab März 2005 über ein Radio- und ein Fernsehgerät verfügte und dass er seinen Antrag nicht aus eigenem Antrieb stellte. Er war vielmehr von der GEZ schriftlich dazu aufgefordert worden, nachdem GEZ-Beauftragte an zwei Tagen im Januar 2005 niemanden in Hilders Wohnung angetroffen hatten. Der Volksstimme sagte Hilder gestern, er wohne "seit Ende 2003" in Leipzig. Seit 1. November 2003 ist er Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung".

Wie alle öffentlich-rechtlichen Sender finanziert sich der Mitteldeutsche Rundfunk fast ausschließlich über die gesetzlich festgeschriebenen Gebühren, zur-zeit 17,98 Euro im Monat.

Zahlt der designierte Chef des MDR nur widerwillig für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Eine eindeutige Antwort darauf war gestern nicht zu erhalten.

Von der Volksstimme zu dem fraglichen Formular befragt, sagte Hilder: "Ich kann dazu nichts sagen. Ich kenne das nicht." Womöglich handele es sich um eine Fälschung, meinte er.

Dass kurz vor der Intendantenwahl solche Negativwerbung für Hilder auftaucht, dürfte einigen Personen inner- und außerhalb des MDR nicht ungelegen kommen. Sie zweifeln Hilders politische Neutralität an. Er gilt als Wunschkandidat des sächsischen Staatskanzleichefs Johannes Beermann (CDU). Doch selbst im CDU-dominierten MDR-Verwaltungsrat hatte er sich am 5. September erst nach stundenlangem Tauziehen im vierten Wahlgang durchgesetzt. In Runde eins lag noch MDR-Chefjuristin Karola Wille vorn. Allerdings ist im 42-köpfigen Rundfunkrat, wo der Kandidat eine Zweidrittelmehrheit benötigt, die CDU-Dominanz geringer als im Verwaltungsrat.

Die Wahl eines neuen Intendanten wird notwendig, weil der seit 1991 amtierende Senderchef Udo Reiter vor Jahresende sein Amt aufgeben möchte.


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