In Sachsen-Anhalt blicken die Menschen in den Hochwassergebieten mit Sorge auf die seit Tagen unter Druck stehenden Deiche. Noch halten die Dämme dem enormen Druck der teils gigantischen Wassermassen stand. Angespannt ist die Lage weiterhin an der Saale, der Elbe, der Schwarzen und der Weißen Elster und an der Bode.

Magdeburg (dpa/mf/ok/ge). Wie die Landeshochwasserzentrale gestern in Magdeburg mitteilte, wird das Wasser der Elbe weiter steigen und voraussichtlich erst ab Wochenmitte zurückgehen. Die Schifffahrt wurde auf der Elbe zwischen Tschechien und Sachsen-Anhalt eingestellt. Das Wasser stehe so hoch, dass Schiffe unter den Brücken nicht mehr hindurchfahren könnten, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg, Friedrich Koop. Zuletzt habe es im Jahr 2006 eine vergleichbare Situation gegeben. Der Magdeburger Hafen ist aber weiter über den Mittellandkanal und den Rothenseer Abstiegskanal erreichbar. Die Experten erwarten in den nächsten Tagen und Wochen vor allem in den elbnahen Bereichen ein massives Grund- und Drängwasserproblem.

In Magdeburg bereiten sich die Einsatzkräfte auf einen langgezogenen Scheitel ab Donnerstagmorgen vor. Die höchste Warnstufe IV sollte bereits in der Nacht zu heute ausgerufen werden. Mehrere freiwillige Feuerwehren der Stadt und die Berufsfeuerwehr füllten gestern 10 000 Sandsäcke, um kritische Stellen entlang der Elbe im Ernstfall abdichten zu können. 54 Deichwachen sind weiter rund um die Uhr im Einsatz. Seit gestern kontrollieren auch Polizei und Stadtordnungsdienst das Betretungsverbot für die Deiche. "Da verstehen wir auch keinen Spaß", sagte der Leiter des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse Holger Platz.

Nach einer vorläufigen Prognose werden am Pegel Barby morgen oder am Donnerstag 6,60 Meter erwartet, damit nur 40 Zentimeter unter dem Höchststand von 2002.

Entlang den Flüssen im Altkreis Schönebeck wurden inzwischen allerorts Krisenstäbe eingerichtet, seit gestern Abend auch in Schönebeck. Seit 14 Uhr laufen in der Gemarkung Schönebeck erstmals Deichwachen. Sie patroullieren nun im 24-Stunden-Dienst die Hochwasserschutzanlagen.

An der Saale in Calbe wurde gestern Abend noch die Alarmstufe 4 ausgerufen. Dort stand die Saale bei 9 Meter. Calbes Ortsteil Gottesgnaden ist vom Wasser umschlossen, bisher blieb aber eine großangelegte Evakuierung aus. Lediglich eine Familie musste in eine Notunterkunft umziehen. Die Lage an der Saale wird sich in den nächsten Tagen aber noch verschärfen. Grund sind der Zufluss von Wasser aus der Bode und ein noch langsamerer Abluss in die Elbe.

Probleme gibt es in der Region südlich von Schönebeck auch mit dem Busverkehr. Der Grund sind zahlreiche Straßensperrungen. So ist unter anderem die Schülerbeförderung aus den Orten Tornitz und Werkleitz eingestellt worden.

Im Landkreis Stendal gilt ab heute die Hochwasseralarmstufe 3. Die Situation entlang der Elbe in diesem Bereich wird als sicher eingeschätzt. In die Tangerniederung südlich von Tangermünde fließt seit gestern Elbewasser über eine dafür abgesenkte Stelle des Polderdeiches. Für die Dörfer Elversdorf und Demker wurden Sicherungsmaßnahmen getroffen, Gefahr besteht nicht.

Sorgen bereitet der Aland im Norden des Landkreises. Durch ihn strömen derzeit 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in Richtung Elbe. Die aber nimmt nur noch die Hälfte des Wassers auf. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz bereitet die Anwohner an Aland und Zehrengraben auf eine problematische Situation vor.