Sachsen-Anhalts Wirtschaft blickt überwiegend positiv in das neue Jahr 2011. Banken, Verbände und Wirtschaftsministerium sehen das Land nach der Krise weiter auf Erholungskurs. Die meisten schätzen jedoch ein, dass das Niveau des Rekordjahres 2007 noch nicht wieder erreicht wird.

Magdeburg (dpa). "Die Krise ist weitgehend überwunden", sagte Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). Die Investitionen in allen Branchen nähmen wieder zu. Er rechne damit, dass die Unternehmen im Land 2011 zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Euro investieren. Besonders im Maschinenbau, der Chemie und in unternehmensnahen Dienstleistungen werde es Wachstum geben. Derzeit lägen 400 Anträge auf Investitionen in seinem Ministerium vor.

"Es geht deutlich aufwärts", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalts, Matthias Menger. Der Gesamtumsatz der Branche sei in den ersten neun Monaten 2010 auf 6,4 Milliarden Euro gewachsen. Das sei ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der Beschäftigten steige wieder. Waren es im ersten Quartal 2010 rund 43 500, wurden im dritten Quartal gut 44 200 gezählt. "Wenn alles gut läuft, erreichen wir Ende 2011, Anfang 2012 wieder das Umsatzniveau von 2007."

"Wir sind froh, dass wir die Krise überstanden haben. Wir sind aber noch in einer Phase der Normalisierung", sagte Torsten Kiesner, Sprecher des Arbeitgeberverbands Nordostchemie. Die gute Entwicklung sei derzeit lediglich ein Spiegel des dramatischen Einbruchs 2009. Damals war der Umsatz in der Chemiebranche Sachsen-Anhalts um mehr als zwölf Prozent auf 5,6 Milliarden Euro eingebrochen. Zwar erhole sich die Branche schneller als alle Experten erwartet hätten, so Kiesner. Aber einen echten Aufschwung mit Zuwächsen im Vergleich zum Vorkrisenniveau mit einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro gebe es schlicht und einfach noch nicht.

Der Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalts, Klemens Gutmann, blickt optimistisch in das Jahr 2011. "Ich bin grundsätzlich überzeugt, dass das Wachstum auf breiter Front in Sachsen-Anhalt anhält", sagte er. Positiv sei zu bewerten, dass in der Industrie ein weiterer Aufschwung zu erwarten ist. Auch bei der Entwicklung in der Solarindustrie – einem wichtigen Wirtschaftszweig in Sachsen-Anhalt – sei er verhalten optimistisch. Diese habe sich wieder stabilisiert und sei jetzt recht robust aufgestellt.

Nach Einschätzung der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB Hannover) wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch 2011 in Sachsen-Anhalt zulegen. Zahlen wollte das Institut jedoch nicht nennen. Im Jahr 2010 sei das BIP in Sachsen-Anhalt um etwa 2,2 Prozent gewachsen. Damit liege es deutlich unter dem deutschen Durchschnittswachstum von 3,7 Prozent, sagte Arno Brandt, Leiter Regionalwirtschaft des Institutes.

Trübe wird es im kommenden Jahr am Bau aussehen. "Wir sind wenig optimistisch", sagte Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Sachsen/Sachsen-Anhalt. Das habe drei Gründe: Erstens liefen Ende 2010 die Konjunkturprogramme aus. Zweitens sind die finanziellen Mittel des Bundes im Bereich der Städtebauförderung ab 2011 gekürzt worden. Drittens bleibt die finanzielle Lage des größten öffentlichen Auftraggebers – der Kommunen – desolat. Zwar zeigt die gesamtwirtschaftliche Entwicklung einen positiven Trend, jedoch wird dieser erst zeitverzögert auf die Bauwirtschaft durchschlagen.

Bilder