Magdeburg/Berlin (dpa). Der bundesweite Skandal um Dioxin in Tierfutter hat sich in Sachsen-Anhalt ausgeweitet. Mittlerweile sind 18 Agrarbetriebe gesperrt, teilte das Agrarministerium gestern in Magdeburg mit. In sieben Fällen sei erwiesen, dass die Mastbetriebe mit Dioxin belastetes Tierfutter erhalten haben, in elf Fällen bestehe ein solcher Verdacht.

Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden in Sachsen-Anhalt 55 Tonnen verseuchter Futterfette von einem Betrieb in Zörbig (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) zu 1000 Tonnen Futtermittel verarbeitet, das von den sieben Schweine- oder Hühnermastbetrieben in verschiedenen Landesteilen inzwischen komplett verfüttert wurde. Neben diesen erwiesenen Dioxin-Fällen gehen die Behörden einem Verdacht nach, wonach eine weitere Lieferung das Gift enthalten könnte. Diese Mischfett-Marge wurde von dem Futtermittel-Hersteller in Zörbig und einem weiteren Betrieb im Harz verarbeitet und laut Agrarministerium nach aktuellen Erkenntnissen an elf Betriebe ausgeliefert. Auch diese Höfe sind seit gestern gesperrt.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe (Schleswig-Holstein) hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche des Futtermittelherstellers aus Uetersen eingeleitet. Dies sei das Ergebnis der Vorprüfungen, sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper. Es bestehe der Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittel-Gesetzbuch. Die Firma Harles & Jentzsch soll jahrelang Reste aus der Biodieselherstellung und der Nahrungsmittelindustrie aufgekauft und für Viehfutter verarbeitet haben.

Die Bundesregierung prüft, ob die Regeln für Hersteller von Tierfutter verschärft werden sollen. Der Agrarausschuss des Bundestags plant eine Sondersitzung. Die Seite Drei/Meinung I