Der Skandal mit bis zu 150 000 Tonnen dioxinbelastetem Tierfutter hat zwei weitere Bundesländer erfasst; damit insgesamt 13. Zugleich wurde bekannt, dass bereits im März in der Futterfett-Firma Harles und Jentzsch unzulässig hohe Dioxin-Werte ermittelt worden waren. Die Firma hatte die Ergebnisse aber offenbar vor den Behörden geheimgehalten.

Magdeburg. In Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Agrarministeriums seit gestern drei weitere und damit insgesamt 30 Agrarbetriebe mit einem vorläufigen Handelsverbot belegt. 29 von ihnen sind Schweine- oder Geflügelmastbetriebe, einer ein Eierproduzent. Betroffen seien Beriebe in allen Landkreisen außer Stendal und dem Burgenland. Die Firmen hatten dioxinbelastete Fette der schleswig-holsteinischen Firma Harles und Jentzsch oder kontaminiertes Tierfutter bezogen.

Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) sagte, man habe beim Zörbiger Futtermittelhersteller SAFU (Anhalt-Bitterfeld) sechs Rückstellproben untersucht. Aeikens: "Zwei erste Befunde weisen einen Dioxingehalt unter dem gesetzlichen Höchstwert auf. Mit weiteren Ergebnissen rechnen wir Anfang kommender Woche." Alle dioxinhaltigen Futterbestände würden aus dem Verkehr gezogen. Die Agrarministerien der Länder hätten sich gestern darauf verständigt, Firmennamen erst öffentlich zu machen, wenn Dioxin-Grenzwerte überschritten seien, so Aeikens.

Zugleich wird bereits über Konsequenzen aus dem Skandal diskutiert. Aeikens erklärte, das System der Tiermast müsse durch schärfere Kontrollen sicherer gemacht werden.

Fritz Schumann, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, verlangte eine "klare Trennung zwischen industrieeller Fettproduktion und der Herstellung von Futterfetten. Die Verursacherfirma produzierte beides. Zugleich kritisierte er die getrennten Zuständigkeiten für die Agrarpolitik und den im Gesundheitsministerium angesiedelten Verbraucherschutz: "Die Verantwortung für beides sollte in einem Ministerium liegen."

Kurt-Henning Klamroth macht dagegen Strukturprobleme für die Situation mitverantwortlich. Im Volksstimme-Interview sagte er: "Die Agrarminister von Bund und Ländern betreiben eine falsche Landwirtschaftspolitik. Sie fördern eine Konzentration auf immer größere industrielle Agrarstrukturen, die für Skandale dieser Art besonders anfällig sind." Bei der Futtermittelherstellung etwa werde der Markt von wenigen Großfirmen beherrscht. "Wenn dann an einer Stelle etwas schiefläuft, gibt es einen Flächenbrand", sagte Klamroth. Die Seite Drei