Die Hochwassersituation in Sachsen-Anhalt hat sich am Wochenende weiter verschärft. An der Weißen Elster am Pegel Oberthau gilt seit gestern Morgen die Alarmstufe 4, wie die Hochwasservorhersagezentrale in Magdeburg gestern mitteilte. Auch an der Saale nahe Camburg-Stöben wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.

Magdeburg (dapd/dpa/ok). Sprecherin Brit Herwig sagte der Nachrichtenagentur dapd, "die Lage ist stellenweise angespannt." Dort und an vielen weiteren Flüssen sei die Tendenz zumindest bis heute weiter steigend. Wie es danach weitergehe, könne derzeit noch nicht sicher eingeschätzt werden. Nach den Angaben sind rund um die Uhr zahlreiche Experten und Helfer im Einsatz, um Deiche zu kontrollieren und gegebenenfalls zu verstärken. Insbesondere bei Nebenflüssen bestehe die Gefahr von Überflutungen. Herwig sagte, an den Deichen seien derzeit aber keine Schwachstellen erkennbar. "Wir haben alles im Griff."

In Halle hat die Arbeitsgruppe Hochwasser wegen des steigenden Pegelstands der Saale ihre Arbeit aufgenommen. Dort wurde gestern mit einem Wasserstand von 5,50 Metern und Alarmstufe 3 gerechnet. Straßen seien bereits gesperrt und Ortschaften mit dem Auto nicht mehr erreichbar. In den kleinen Ort Planena gelange man nur noch als Fußgänger über einen Steg. In anderen Landesteilen gab es infolge der starken Schneeschmelze vor allem an kleineren Flüssen und Bächen ohne Deichanlagen erste Überflutungen.

Mit Sorge blicken die Behörden auf den Elbe-Pegel in der Landeshauptstadt. Der Wasserstand der Elbe steige schneller als erwartet. Die Experten rechnen damit, dass die Elbe am Pegel bei Magdeburg bis Mittwoch um rund 1,40 Meter auf etwa 4,75 Meter ansteigen wird. Am Freitag könnten es Schätzungen zufolge sogar 5,20 Meter sein.

Auch im Salzlandkreis hat sich die Lage an den Flüssen in den vergangenen zwei Tagen zugespitzt. An der Saale bei Calbe besteht Alarmstufe 2, die Stadt hat einen Kontrolldienst eingerichtet, an der Bode bei Staßfurt Alarmstufe 1. Mehr als einen Meter ist die Saale bei Calbe in den vergangenen 24 Stunden angestiegen. Gestern Nachmittag wurden dort 7,50 Meter gemessen. Heute wird mit mindestens acht Metern gerechnet, damit Alarmstufe 3. Das bedeutet, dass die Wasserwehr alarmiert und ein ständiger Wachdienst auf den Deichen eingerichtet wird. An der Bode stieg der Pegel um 30 Zentimeter auf 2,50 Meter an.

Dramatisch war die Lage in den vom hohen Grundwasserspiegel betroffenen Stadtteilen Schönebeck-Felgeleben und -Sachsenland. Anwohner alarmierten am Sonnabend die Feuerwehr, weil Oberflächenwasser von den benachbarten Äckern in ihre Häuser floss. Die Feuerwehr aber durfte auf Anweisung der Stadtverwaltung nicht tätig werden und musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Weitgehend entspannt ist die Situation nach Behördenangaben im Harz: Für Bode, Selke und Ilse gilt nur die erste der vier Alarmstufen. Aber auch hier wird mit weiter steigenden Pegelständen gerechnet.