Wegen frostiger Temperaturen hat sich die Hochwasserlage an den Flüssen in Sachsen-Anhalt zunächst stabilisiert. Weil aber für die nächsten Tage wieder Tauwetter und Regen erwartet werden, rechnen Experten erneut mit steigenden Pegelständen. Zunehmend Probleme bereiten hohe Grundwasserstände.

Magdeburg (dpa/wb). Die Lage an den Flüssen hat sich gestern wegen des Temperaturrückgangs etwas entspannt. "Doch stärkeres Tauwetter und Regenfälle werden die Pegelstände in den kommenden Tagen weiter steigen lassen", sagte Peter Hasdorf von der Landeshochwasserzentrale.

An drei Pegeln im Land galt gestern die höchste Alarmstufe 4: Für die Saale am Pegel Halle-Trotha, für die Schwarze Elster in Löben (Kreis Wittenberg) und für die Weiße Elster am Pegel Oberthau (Saalekreis). Für den Saale-Pegel Camburg-Stöben (Thüringen) wurde die Alarmstufe 4 aufgehoben.

In Halle sollte der Pegelstand der Saale gestern den vorläufigen Höchststand um 6,60 Meter erreichen, normal sind etwa zwei Meter. Die Stadt hat einen Krisenstab eingerichtet. Wegen des Hochwassers sind gestern 34 Bewohner eines Pflegeheims in Sicherheit gebracht worden.

In Calbe (Salzlandkreis) stieg der Pegel auf 8,30 Meter, für heute wird ein weiterer Anstieg um 40 Zentimeter erwartet. Bedroht ist vor allem der Ortsteil Gottesgnaden. Feuerwehr, Bauhof und Privatleute haben Sandsäcke aufgeschichtet.

Die Pegelstände an der Elbe stiegen unterdessen weiter leicht an. Ursache seien vor allem starke Zuflüsse aus der Saale und der Mulde, sagte Hasdorf. Weiter ruhig sei die Lage an Bode, Selke und Ilse im Harz.

Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) schloss nicht aus, dass nach dem 16. Januar auch das Pretziener Wehr gezogen werden müsse, um die Magdeburger Elbdeiche während des Hochwassers zu entlasten. Vor diesem Termin sei dies zurzeit unwahrscheinlich.

Inzwischen verursachen auch hohe Grundwasserstände in mehreren Regionen Probleme, vor allem für Landwirte, deren Felder sich praktisch in Sümpfe verwandelt haben. Aeikens sagte: "Wir haben jetzt vier Jahre in Folge deutlich überdurchschnittliche Niederschlagsmengen gehabt. Das hat zu einer stetigen Zunahme der Grundwasserstände geführt." Weil sich diese Situation nur sehr langsam verändere, würde selbst ein trockenes Jahr 2011 in der Situation kaum etwas ändern, sagte Aeikens.

Er kündigte die Bildung von sieben regionalen Arbeitsgruppen an, denen Vertreter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, der Landkreise und der Landnutzer angehören sollen. Die Gremien sollten den Zustand analysieren und Änderungsvorschläge vorlegen. Um diese zu finanzieren, ließen sich notfalls Fördermittel aus der Stadtsanierung oder dem Dorferneuerungsprogramm umschichten.