Stendal. Vor dem Landgericht Stendal hat gestern ein Prozess wegen Verbreitung kinderpornografischer Filme im psychiatrischen Landeskrankenhaus Uchtspringe (Landkreis Stendal) begonnen. Dort sind psychisch kranke, straffällig gewordene Patienten untergebracht.

Angeklagt ist ein ehemaliger Patient (46), der den Verdacht zuvor auf einen anderen Insassen des Maßregelvollzugs gelenkt hatte und sich nun auch noch wegen falscher Beschuldigung und gerichtlicher Falschaussage verantworten muss. Der wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafte Angeklagte hat zum Prozessauftakt zugegeben, 2008 eine DVD mit drei pornografischen Filmen – Gesamtlänge 32 Minuten – gebrannt und einem Mittelsmann zum Einschleusen in die Klinik gegeben zu haben.

Der Täterschaft angeklagt war zunächst ein heute 60-Jähriger, der im Juni 2009 vom Landgericht Stendal freigesprochen wurde. Der 46-Jährige, inzwischen vom Kronzeugen zum Angeklagten mutiert, hatte den 60-Jährigen damals vor Polizei und Gericht beschuldigt, dass dieser ihm die DVD zum Einschmuggeln gegeben hätte.

Gestern nun tischte der Angeklagte eine neue Geschichte auf. Demnach habe der 60-Jährige ihm wohl keine DVD, aber einen Speicherchip gegeben. Auf dem seien die Kinderpornos gewesen. Den Speicherchip will der gelernte Agrotechniker für 20 Euro für den 60-Jährigen einem Mitpatienten während eines Freiganges zugesteckt haben. Weil darauf angeblich keine Dateien waren, hätte er ihn zurückbekommen, so der Angeklagte. Er habe vom Chip die Dateien auf eine Festplatte kopiert, auf DVD gebrannt und versucht, diese einzuschmuggeln. Doch der Schmuggel flog durch einen aufmerksamen Pfleger auf.

"Das stimmt definitiv nicht", sagte gestern der 60-jährige ehemalige Angeklagte, der zurzeit im Maßregelvollzug Lochow wegen ähnlicher Delikte untergebracht ist, als Zeuge aus. Am 27. Januar wird das Urteil erwartet.