Masar-i-Sharif. Ebenso schnell wie der Winter in Masar-i-Sharif Einzug gehalten hat, so schnell gönnt er sich am gestrigen Freitag eine Pause. Am Mittag strahlt die Sonne und gibt den wenn auch dunstigen Blick auf die imposante Kulisse des Marmal-Gebirges frei.

Die meisten afghanischen Lager-Helfer sind zu Hause. Für die Moslems ist "Sonntag". Auch einige deutsche Soldaten nutzen den Vormittag, um im "Atrium", der Sozialeinrichtung des Camps, Sport zu treiben oder sich im Internetcafé elektronisch mit ihren Familien zu unterhalten.

Für den Hauptfeldwebel Jens von der Elbe-Havel-Kaserne in Havelberg ist der Freitag allerdings kein freier Tag. Er ist unter anderem dafür zuständig, dass Generalmajor Hans-Werner Fritz, ISAF-Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Videokontakt nach draußen hat. So auch an diesem Tag.

Der 35-jährige Brandenburger und gelernte Tiefbauer, der sich beim Bund in 13 Jahren als Berufssoldat zum Fernmeldeexperten weitergebildet hat, und sein Team sind immer dann technisch zur Stelle, wenn zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Weihnachtsgrüße per Vi- deokonferenz nach Afghanistan übermittelt oder das Auswärtige Amt den General nicht nur hören sondern auch sehen möchte.

Der Hauptfeldwebel arbeitet zudem eng mit den Familienbetreuungseinrichtungen in Deutschland zusammen. "Wenn von dort eine Videokonferenz mit Soldaten geplant ist, schaffen wir die Voraussetzungen dafür", erzählt er.

Doch das ist nur eine Seite seiner Arbeit. In seinem Hochsicherheitsbereich das Camps, in dem diverse Computer und andere Hightech-Geräte stehen, hält er unter anderem Verbindung zu allen Außenstellen des Camps. Eingehende Nachrichten werden durch sein Team in die einzelnen Kommunikationsnetze des Lagers weitergegeben.

Ein anderer Sachsen-Anhalter, der sich im Bereich Fernmeldetechnik bestens auskennt, ist Oberfeldwebel Robert aus Roßla (Mansfeld-Südharz). Der 26-Jährige kommt vom Führungsunterstützungsbataillon in Rotenburg an der Fulda (Hessen) und ist für das interne Glasfasernetz im Camp zuständig. "Ich bin so etwas wie der Telekom-Monteur in Deutschland", schmunzelt er. Internet, Telefonanschlüsse in den Containern verlegen oder Glasfaserkabel kleben – der Oberfeldwebel und seine zwei Leute haben alle Hände voll zu tun.

Eingewöhnungszeit habe ich nicht gebraucht, sagt er. "Ich war 2008 schon hier. Ich wusste nicht nur, was mich erwartet, auch wo die wichtigsten Anlaufstellen sind."

Täglich – wie kann es für einen Spezialisten auch anders sein –steht er mit seiner Lebensgefährtin und Töchterchen Kim-Lilli in Videokontakt. "Immer so gegen 19.30 Uhr sage ich der Kleinen Gute Nacht." Um sie daran zu gewöhnen, habe er mit der Zweijährigen schon vor seinem Abflug Ende November an den Hindukusch geübt. "Ich bin mit dem Webcam-Computer in die Küche gegangen und habe mit meiner Tochter in der Stube gesprochen." Inzwischen sei es soweit, dass die Kleine immer, wenn sie am Monitor vorbeigehe, auch wenn der Computer gar nicht an sei, dem Papa zuwinke.

Hauptfeldwebel Jens aus der Elbe-Havel-Kaserne kann Ähnliches von seiner drei Jahre alten Tochter berichten: "Sophia gibt mir zum Abschied unserer Gespräche immer einen Kuss auf den Monitor."