Magdeburg. Viele Deutsche spielen mit dem Gedanken, beruflich ins Ausland zu gehen. 1017 Sachsen-Anhalter vermittelte die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Agentur für Arbeit 2010 ins Ausland. "Von ihnen waren 994 zuvor arbeitslos, 238 bezogen Arbeitslosengeld II", so Marcel Schmutzler von der ZAV-Pressestelle in Bonn auf Nachfrage der Volksstimme. 2009 konnten 1038 Sachsen-Anhalter unterstützt werden, bundesweit waren es 10 605.

Der Großteil der Vermittlungen betraf Österreich, die Schweiz und die Niederlande, erklärt Petra Schwarze von der ZAV in Magdeburg. "Dort sind die sprachlichen Barrieren nicht so groß. Dann folgt schon Großbritannien, was bei jungen Leuten sehr beliebt ist, sowie die USA und Neuseeland."

Die Baubranche macht mit etwa 15 Prozent den größten Teil der Vermittlungen im vergangenen Jahr aus, daneben Ernährungs- und Sozialberufe. "Ganz aktuell fragen bei uns weniger Fachkräfte, dafür aber mehr Akademiker – BWLer, Sozialpädagogen oder aus dem kaufmännischen Bereich – nach Auslandsjobs an. Das ist ein Trend, der sich im vergangenen Jahr entwickelt hat", erklärt Petra Schwarze. Das Interesse der ausländischen Arbeitgeber sei vor allem durch Saisonarbeit geprägt. Dazu organisierte die ZAV im abgelaufenen Quartal spezielle Jobbörsen "im Gastronomiebereich sehr erfolgreich".

Ein großer Trugschluss, der den Arbeitsvermittlern während ihrer Beratungsgespräche mit den Interessierten oft begegnet, "ist zu denken, ich war schon einmal im Urlaub in diesem Land und bin gut klargekommen, deswegen kann ich dort auch gut arbeiten", berichtet Petra Schwarze. Vor allem im nicht-deutschsprachigen Ausland bewahrheitet sich diese Annahme in den seltensten Fällen. Daher sei die Sprachkenntnis das wichtigste Kriterium bei einer erfolgreichen Bewerbung, sie würde schon bei der Kontaktaufnahme durch den Arbeitgeber getestet oder später eingefordert. Eine Bewerbungsmappe in der Landessprache sei daher stets von Vorteil. "Was auch sehr wichtig ist, sind Arbeitszeugnisse von vorherigen Arbeitgebern, aus denen hervorgeht, was derjenige gut gemacht hat", betont Petra Schwarze.

Zur dringend empfohlenen Vorbereitung für den Wechsel ins Ausland zählt auch, dass sich bei Behörden wie Versicherungsträgern und Finanzamt gemeldet wird. "Dabei geht es darum, dass man sich absichert und klärt, was ist, wenn ich wiederkomme", so die Teamleiterin der ZAV Magdeburg. Fragen nach Ansprüchen oder der Aufnahme bei einer Krankenversicherung werden oft unterschätzt. Und: "In dem Land, in dem ich arbeite, zahle ich auch die Steuern. Das wissen die meisten nicht", so Petra Schwarze.

Sie stellt zudem klar, dass die Arbeitsvermittlung ins Ausland dem Fachkräftemangel in Deutschland nicht konkurrierend gegenübersteht. "Unser Angebot zielt vorrangig auf diejenigen ab, die aktuell in Deutschland keine Chance auf wirtschaftlichen Aufstieg haben – auf Arbeitslose, denen die Chance gegeben werden soll, im Ausland Berufserfahrung zu sammeln, um dann wieder herzukommen. Denn wir sind keine Auswanderungsberatung." Etwa 90 Prozent derer, die von der ZAV integriert werden konnten, seien vorher arbeitslos gewesen.

Momentan kann die ZAV Akademiker- und kaufmännische Stellen in Frankreich, Vertriebsmitarbeiter und Call-Center-Agents sowie Angebote für Akademiker und Fachkräfte in Ungarn, Slowakei, Neuseeland und Indien anbieten. "Und das querbeet, also nicht nur Kellner oder Bauarbeiter", sagt Petra Schwarze. Die Angebote, beruflich ins Ausland zu gehen, seien an keine Altersgrenzen geknüpft. "Wir haben auch schon 55-Jährige nach Skandinavien und die Schweiz vermittelt."

Spezielle Auslandsjobbörsen veranstaltet die ZAV für Jugendliche sowie Fachkräfte Ende Februar in verschiedenen Städten. (siehe Infokasten) Weitere Informationen sind bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung in Magdeburg, Hohepfortestraße 37, sowie im Internet erhältlich.

www.zav.de