Magdeburg. Nach Dioxinfunden in Futterfetten gibt es in Sachsen-Anhalt einen neuerlichen Tierfutter-Skandal. Futter, das ein verbotenes Antibiotikum enthielt, ist seit November an mehrere tausend Rinder und Schweine verfüttert worden. Nach Angaben des sachsen-anhaltischen Landwirtschaftsministeriums ist der Fall bei einer Routinekontrolle von Futter eines Produzenten aus dem Landkreis Börde entdeckt worden. Bei dem Antibiotikum handelt es sich um Chloramphenicol, das seit 1994 in der EU nicht mehr an Nutztiere verfüttert werden darf. Es steht im Ruf, Resistenzen von Krankheitserregern zu fördern. Zunehmend werden Medikamente wirkungslos.

Ministeriumssprecher Detlef Thiel sagte, das Antibiotikum stamme von einem Unternehmen in Niedersachsen, das die kontaminierte Vitaminmischung aus China bezogen habe. Bei dem Futtermittelhersteller aus der Börde handelt es sich um die Dr. Ponsold GmbH, einen in Oschersleben ansässigen Betrieb. Geschäftsführerin Elisabeth Goll sagte der Volksstimme, man habe Ende November aus einem Betrieb in Cuxhaven 25 Kilogramm Vitamin-Mischpräparat erhalten und 22 Kilogramm davon zur Produktion von 55 Tonnen mineralischem Tierfutter verwendet. "Als wir am Freitag nach einer Kontrolle von der Substanz erfahren haben, wurden sofort die Behörden informiert und es wurde eine Rückrufaktion veranlasst. Allerdings war da ein Großteil des Futters bereits verfüttert", sagte Goll.

Nach Angaben des Agrarministeriums sind insgesamt 22 Rinderhaltungsbetriebe und ein Schweinemastbetrieb aus den Landkreisen Salzwedel, Stendal, Börde, Jerichower Land, Harz, Wittenberg und dem Saalekreis mit dem kontaminierten Futter beliefert worden, ebenso je ein Betrieb in Brandenburg und in Sachsen.

Unklar ist, was mit Rindern und Schweinen geschehen soll, die das fragliche Futter bekommen haben. Da es keine Antibiotika-Grenzwerte gibt, gilt ein absolutes Verbot. Allerdings gilt ein Verzehr als für den Menschen ungefährlich.