Masar-i-Sharif (bk). Hauptgefreite Maria aus Eichenbarleben im Bördekreis und Oberleutnant Marcel aus dem brandenburgischen Cottbus – beide Logistiker in Burg – hatten am Tag der Verabschiedung nach Afghanistan über ihre ganz persönlichen Gedanken über den bevorstehenden Auslands-einsatz gesprochen. Einen Tag nach dem Bergfest in Masar-i-Sharif traf die Volksstimme die beiden von der Logistikunterstützungskompanie neben dem Ortsschild ihrer Patenstadt, Möckern, wieder.

Die Hauptgefreite, die rechte Hand vom Spieß, die sich zum Beispiel um die Personalakten und den Posteingang kümmert, geht sofort in die Offensive: "Ich habe hier auch so genug zu tun, ohne dass ich den Kameraden die Haare schneide", sagt sie. Die gelernte Frisörin knüpft damit an den Artikel vom 12. Oktober des vergangenen Jahres an, in dem sie sich als gelernte Frisörin, jedoch ohne Ambitionen, den Logistikern die Haare zu stutzen, geoutet hatte.

Das, was sie am Hindukusch erlebe, sei genau das, was sie sich vorgestellt habe: "Ich bin nicht überrascht – weder vom Arbeitsanfall noch vom Camp-Leben."

Sie lobt wie alle Soldaten, mit denen man spricht, besonders die Kameradschaft: "Eine verschworene Gemeinschaft." Was aber nichts daran ändere, dass mit ihrer Container-Genossin, gleichfalls vom Burger Logistikbataillon "hin und wieder ein kleiner Zickenkrieg" ausbreche.

Man sitze so eng aufeinender und könne sich nicht so gut aus dem Weg gehen, meint auch Oberleutnant Marcel. So dass es manchmal die berühmte Zahnpastatube sei, die einen Streit auslöse. "Lappalien –nichts Ernstes."

Im Vorfeld des Einsatzes habe er sich immer wieder gefragt, ob denn alles so klappen werde, wie zu Hause wieder und wieder trainiert wurde, so der 26-Jährige. Aber: "Ich freue mich, dass alles so rund läuft." Doch so gut wie bisher auch alles gegangen sei, man müsse sich immer wieder wachrütteln und sich daran erinnern, wo man ist. "Um Himmels Willen keine Routine ausbrechen lassen."

Und der Kontakt nach Hause?

Maria: "Ich telefoniere nicht so gerne. Was soll man auch groß erzählen. Es passiert ja nichts Besonderes, was zu Hause von Interesse wäre." Aber Briefe schreiben habe sie wieder gelernt. "Ich bemerke das ja auch bei den anderen, wie sie sich freuen, wenn ich die Post für sie abhole und verteile."

Briefe seien sehr privat und man könne sie immer wieder lesen, wenn man mal nicht so gut drauf sei, meint auch der Oberleutnant.

Natürlich baue man sich in den Stimmungstälern mit den Gedanken an das Danach auf. Marcel: "Wenn ich Mitte März wieder zu Hause bin: Familie, Freundin Stefanie und Bett."

Maria: "Mein Freund Leo, Freunde und Familie und mein Kater ,Blacky’, der ist ein bisschen verrückt, auf die freue ich mich am meisten."

Die Hauptgefreite aus dem Bördekreis hat eine Bildersammlung in ihrem Zweifrauwohncontainer an die Wand gepinnt. Darunter auch "Blacky" und Fotos vom Rügen-Urlaub 2010 mit Leo. Über das Gesicht der 22-Jährigen huscht ein Lächeln als sie an Wellen, Sonne und den Freund denkt: "Eine schöne Zeit an der Ostsee."

Marcels Maskottchen ist eine graue, zehn Zentimeter große Stoffratte. Ein Geschenk von Stefanie. Passend: Sie ist Biologie-Laborantin.

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