Seit gut zwei Monaten sind 240 Logistiker aus Burg im Auslandseinsatz in Nordafghanistan. Bataillonskommandeur Oberstleutnant Thilo Santüns zog im Interview mit Volksstimme-Chefreporter Bernd Kaufholz in Masar-i-Sharif nach der Hälfte der Einsatzzeit Zwischenbilanz.

Volksstimme: Wie ist die Stimmung im Bataillon?

Thilo Santüns: Die Stimmung ist insgesamt sehr gut. An dieser Aussage ändert auch nicht, dass es bei fast jedem mal einen Durchhänger gibt. Auch bei mir. Zu Beginn jedes Einsatzes ist die Stimmung regelrecht euphorisch. Alles ist neu. Man ist gut ausgebildet und will das im Einsatzland auch umsetzen. Das Ergebnis sind sehr hohe Motivation und Arbeitszufriedenheit. Allerdings gibt es gerade in der Weihnachtszeit oft einen Stimmungsknick. Dieser war jedoch bei meinen Frauen und Männern nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Im letzten Einsatzmonat steht das Stimmungsbarometer dann wieder auf hoch. Das Ziel – der Rückflug – ist in Sichtweite.

Volksstimme: Sie sprachen das "Weihnachtstief" an. Wie hat das Bataillon gegengesteuert?

Santüns: Bis Mittag wurde wie überall im Camp gearbeitet. Danach habe ich unter unserem Tornadozelt – ein von uns für Gemeinschaftsveranstaltungen aufgebautes Großraumzelt – eine kurze Ansprache gehalten. Dann war den Kompanien frei-gestellt, wie sie den Abend verbringen wollen. Eine große Bataillonsfeier habe ich nicht befohlen. Denn wenn unter den Männern und Frauen einige gewesen wären, die Heiligabend lieber für sich und mit ihrer Stimmung allein hätten bleiben wollen, wäre das für die Gesamtstimmung nicht gut gewesen.

Volksstimme: Verlief Weihnachten für alle Logistiker wenigstens störungsfrei?

Santüns: Leider nicht. Sowohl am 24., als auch am 31. Dezember musste unsere Bergebereitschaft ausrücken. Sie musste verunglückte Fahrzeuge ins Camp holen. So war ein Fahrzeug in einen Graben gerutscht – Achsbruch. Unsere Spezialisten waren mehrere Stunden mit der Bergung beschäftigt.

Volksstimme: Um einen Eindruck zu vermitteln, was die Logistikkompanien allein im November und Dezember geleistet haben, ein paar Zahlen ...

Santüns: Die Instandsetzer, die für 1600 Fahrzeuge – vom ungepanzerten "Wolf" (ein Geländewagen, der innerhalb des Camps genutzt wird, d. Red.) bis hin zum Schützenpanzer "Marder" – die Verantwortung tragen, haben in zwei Wellen zwischen dem 23. und 30. Dezember 80 Fahrzeuge repariert. Seit dem 11. Januar rollt die dritte Welle auf uns zu: Mehr als 60 Fahrzeuge müssen instandgesetzt werden – allerdings in kürzerer Zeit. Auf die meisten Ersatzteile können wir sofort zugreifen, auf ganz spezielle müssen die Instandsetzer allerdings auch bis zu drei Monate warten. Das fordert langfristige und professionelle Planung.

Wir haben rund 7300 Kubikmeter Treibstoff umgeschlagen, um den Bedarf in der Luft und am Boden zu decken. Die Transportkompanie hat etwa 11000 Tonnen Material bewegt. Der Marketenderbereich konnte einen Umsatz von mehr als 1,8 Millionen Euro verbuchen, und die Feldpost hatte einen Ein- beziehungsweise Ausgang von gut 200 Tonnen an Briefen und Paketen zu bewältigen.

Volksstimme: Mussten Kameraden nach Hause geschickt werden?

Santüns: Wir hatten neun sogenannte Repatriierungen. Für zwei waren gravierende familiäre Probleme der Grund, sieben Logistiker mussten nach Arbeitsunfällen den Heimflug antreten. Unter anderem wegen Knochenbrüchen. Gemessen an den Belastungen eine geringe Zahl. Obwohl viele meiner Leute beinahe täglich außerhalb des Camps unterwegs sind, gab es Gott sei Dank bisher keine Ausfälle durch Kampfhandlungen. Ich werde vier Kameraden aus der Heimat nachkommen lassen, um die wichtigsten Lücken zu schließen. Den Rest der Ausfälle können wir mit eigenen Kräften abdecken.