Instandsetzer, Feldpostler, Marketender, Nachschubleute – insgesamt 370 Logistiker – 240 von ihnen direkt aus Burg - sind seit November im nordafghanischen Camp "Marmal" dafür verantwortlich, dass das 24. ISAF-Kontingent am Hindu-kusch seine Aufgabe erfüllen kann. Zu denjenigen, die beinahe täglich das schützende Lager verlassen, um Menschen oder Material zu befördern, gehört die Transporteinheit.

Masar-i-Sharif. Hauptfeldwebel Michael hat im "Nidaros" seine 17 Transportleute um sich geschart. Befehlsausgabe im kleinen norwegischen Teilbereich des Camps "Marmal" bei Masar-i-Sharif. "Heute bringen wir 72 Schweden, die gerade in Masar angekommen sind, in ihr Camp ,Northern Light’" (Nordlicht), erläutert der Mann von der Transportkompanie des Burger Logistikbataillons den Auftrag "Wir fahren heute zweimal. Jetzt gleich und noch mal um 13 Uhr. Fragen? Keine? Aufsitzen!"

Der Transportführer aus Brettin bei Genthin leitet im Führungs-Dingo2" den Konvoi. Insgesamt besteht die kleine Kolonne aus fünf gepanzerten Fahrzeugen. In der Mitte der Container-Lkw mit den Skandinaviern.

Die fünf geschützten Bundeswehrfahrzeuge mit der roten Kennzeichnung auf dem Dach setzen sich in Bewegung. Das spezielle Signaltuch sei für den Fall wichtig, dass, wenn nach einem Angriff Luftunterstützung angefordert werden müsse, die eigenen Kräfte zwischen Freund und Feind unterscheiden können, so der Konvoiführer.

Es geht durchs sogenannte Westgate des rund 5000-Mann-Camps auf die "Desert-Road" (Wüstenstraße), eine bei den herrschenden sechs Grad minus relativ feste Sandpiste, die den Namen Straße auf Grund ihrer Beschaffenheit allerdings kaum verdient. Bodenwellen, Löcher, dazwischen einige schwarzköpfige Schafe. Über Nacht hat der Wind Schnee in die unzähligen Bodenwellen getrieben. Das erschwert das Erkennen von möglichen Sprengsätzen zusätzlich.

Hauptfeldwebel Michael hält Verbindung mit den zwei Transportpanzern "Fuchs", dem Container und dem Allschutz-"Dingo" am Ende. Er dirigiert: "Lkw vor uns. Links vorbei. Weiter auf drei Uhr."

Der Sachsen-Anhalter gehört zu den alten Hasen. Sechs Auslandseinsätze – drei im Kosovo und jetzt der dritte in Afghanistan – sind in seinen Personalunterlagen vermerkt. "Kosovo und Hindukusch sind nicht zu vergleichen", weiß er. "Kosovo ist Europa und trotz der etnischen Auseinandersetzungen etwas völlig anderes, als die Mentalität und Kultur hier."

Für Michael und die anderen Soldaten der Transportkompanie sind solche Fahrten zu den Außencamps Routine. Drei- bis viermal die Woche sind sie unterwegs.

Der "Hauptfeld" weiß, dass er sich auf seine kleine Truppe von Spezialisten verlassen kann: "Wir sind ein eingespieltes Team und gut vorbereitet. Jeder weiß, was er zu tun hat. Und ich bin mir sicher, dass das auch so sein wird, sollten wir in einen Hinterhalt geraten."

Hinter dem 38-Jährigen sitzt Sergej aus Magdeburg im Kampfstand mit dem Tag- und Nachtsichtgerät unter dem MG3, das eine theoretische Feuerleistung von 1200 Schuss pro Minute hat. Durch das "Periskop", das er mit zwei Kurbeln aus dem Inneren des "Dingo" bewegt, checkt er Straße und Umgebung. "Man muss sich auch von seinem Instinkt leiten lassen", sagt er. "Wenn auf menschenleerer Piste in der Wüste ein Auto steht oder wenn ein verdächtiger Erdhaufen auf der Straße liegt, dann lieber mal einen Fehlalarm auslösen, als in eine Sprengfalle zu fahren."

Sergej ist wie seine Kameraden seit November in Afghanistan und hat inzwischen viele Transporte begleitet. Seine längste Tour ging bis zum Beobachtungspunkt Nord, südlich von Kundus. Von dort aus agieren Spezialkräfte wie es die neue Afghanistan-Strategie vorsieht. 210 Kilometer an einem Tag hat der Logistiker bei diesem Transporteinsatz zurückgelegt. "Irgendwann habe ich aufgehört, die Transporte zu zählen", sagt er.

Manchmal nur im Schritttempo bewegt sich die sandfarbene Fahrzeuggruppe mit dem schwarzen Balkenkreuz an den Flanken durch die Wüste. Den meisten der Schweden im Container und in den "Füchsen" sind die Augen zugefallen. Nur sporadisch wischt der Oberleutnant mit den drei Kronen an der Jacke das Schmelzwasser ab, das ihm aus einer der Luken auf die Hose tropft.

Dort steht ein weiterer Sachsen-Anhalter. Stabsunteroffizier Christoph (25), dem der eisige Fahrtwind ins Gesicht schneidet, kommt aus Thale.

Nach gut 30 Minuten taucht vor dem Führungs-"Dingo" das Tor vom "Nordlicht" auf. Der Konvoi rollt langsam bis zur Parkfläche. Die Schweden blinzeln gegen die kalte Januarsonne und verschwinden dann schnell in den warmen Unterkünften.

Für den Hauptfeldwebel aus Brettin und seine Leute geht es bereits zehn Minuten später zurück. Diesmal berührt der Konvoi den Rand von Masar-i-Sharif, der mit offiziell 320000 Einwohnern größten Stadt Nordafghanistans (geschätzt leben dort allerdings rund drei Millionen).

Michael leitet die fünf Fahrzeuge über Funk durch die Außenbereiche der Provinzhauptstadt Balkh. Ruhig, deutlich, erfahren.

Ob Sergej, der im Führungs-"Dingo" mit Adleraugen die Straße kontrolliert, in diesem Moment an die Worte seiner Eltern denkt: "Komm ja heil wieder!" – Der Vater mit Stolz in der Stimme und die Mutter mit gerötetem Augen – ist eher unwahrscheinlich.

 

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