SPD-Spitzenkandidat Bullerjahn hat sehr gute persönliche Werte – aber seine Partei kommt auch bei der jüngsten MDR-Umfrage nicht so richtig aus den Puschen. Die Linke steht nach wie vor gut da – obwohl ihr Spitzenkandidat Wulf Gallert relativ schlecht bewertet wird.

Magdeburg. SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn kann zufrieden sein – zumindest, was seine persönlichen Werte betrifft.

Wer ist sympathisch? 49 Prozent der Befragten bejahen diese Frage bei Bullerjahn. Es folgen CDU-Spitzenmann Reiner Haseloff (44 Prozent) und Linken-Spitzenkandidat Wulf Gallert (30 Prozent).

Auch sonst liegt Bullerjahn im Vergleich mit den Spitzenkandidaten von CDU und Linken überall – und teils mit sehr deutlichem Vorsprung – an der Spitze. So halten ihn 48 Prozent der Befragten für führungsstark. Haseloff bringt es auf 38 Prozent, Gallert erzielt 25 Prozent.

Bullerjahn punktet auf allen Feldern

Jeder zweite Befragte stimmt dem Satz zu, dass sich Bullerjahn für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Dieser hohe Wert ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Bullerjahn als Finanzminister einen konsequenten Sparkurs verfolgt. Gallert erreicht 45 Prozent, Haseloff bringt es auf 37 Prozent.

Im Vergleich der Ministerpräsidenten-Kandidaten erhält Bullerjahn auch gute Werte bei der Frage der Vertrauenswürdigkeit. 47 Prozent der Befragten halten ihn für glaubwürdig.

Der stellvertretende Ministerpräsident führt bislang einen Wahlkampf, in dem er den Wählern reinen Wein ein-schenkt und ihnen unangenehme Wahrheiten, etwa zur miesen Finanzsituation des Landes in den nächsten Jahren, nicht erspart. Haseloff bringt es in der Frage der Glaubwürdigkeit auf 43 Prozent, Gallert bekommt 31 Prozent.

Erstaunlich: Selbst beim wirtschaftlichen Sachverstand lässt sich Bullerjahn nicht die Butter vom Brot nehmen. Die Befragten sehen Haseloff, der immerhin Wirtschaftsminister ist, gleichauf mit Bullerjahn – beide erreichen 45 Prozent. Gallert ist klar abgeschlagen (19 Prozent).

Dieser Wert ist auch insofern nicht nur für Wahlkampfstrategen sehr interessant, als sich bei den Parteikompetenzen ein völlig anderes Bild ergibt. So meinen 46 Prozent der Befragten, dass die CDU die Wirtschaft im Land voranbringt. Nur 18 Prozent trauen das der SPD zu. Die Linke bringt es auf gerade einmal vier Prozent.

SPD-Spitzenkandidat Bullerjahn erhält also deutlich bessere Werte als seine Partei. Damit wird ein Trend aus der vorangegangenen Umfrage im September 2010 fortgesetzt.

Das Thema Arbeitslosigkeit/Arbeitsmarkt spielt bei den Befragten nach wie vor die mit ganz großem Abstand wichtigste Rolle. 68 Prozent sagen, dass dieses Problem am vordringlichsten gelöst werden müsse. Allerdings: Im März 2006, also vor Amtsübernahme durch die CDU/SPD-Regierung, hatte dieser Wert noch satte 21 Prozentpunkte höher gelegen. Die Arbeitslosenquote in Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Interessant auch: Nur fünf Prozent der Befragten zählen zu niedrige Löhne zu den wichtigsten Problemen im Land. Mit diesem Thema versucht vor allem die Linke zu punkten, die immer die Lohndumping-Praxis in Sachsen-Anhalt anprangert.

Eine Fortsetzung der seit 2006 regierenden schwarz-roten Koalition finden laut Umfrage 49 Prozent der Befragten gut oder sehr gut. 32 Prozent bevorzugen ein Bündnis aus SPD, Linke und Grünen. Für Rot-Rot können sich nur 31 Prozent der Befragten erwärmen, das sind drei Prozentpunkte weniger als bei einer Umfrage im März 2010.

Den wenigsten Charme versprüht eine Koalition aus CDU und FDP, wie es sie in Sachsen-Anhalt zuletzt zwischen 2002 und 2006 gegeben hatte. Nur noch 22 Prozent der Befragten halten ein solches Bündnis für sehr gut oder gut. Im März 2010 waren es 32 Prozent gewesen.

Kuschelwahlkampf zwischen CDU und SPD

CDU und SPD im Land führen einen Kuschelwahlkampf und betonen immer wieder die faire und verlässliche Zusamenarbeit in den zurückliegenden Jahren. Vor allem der aus dem Amt scheidende Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) und Bullerjahn haben zum unaufgeregten Regierungsstil beigetragen.

Die SPD schließt nach der Landtagswahl im März auch Rot-Rot nicht aus. Bullerjahn wie auch Fraktions- und Landeschefin Katrin Budde haben aber mehrfach öffentlich erklärt, dass die Sozialdemokraten einen linken Ministerpräsidenten nicht wählen wollen. Diese Aussage hat die Linken sehr verärgert. Sie verweisen darauf, dass die SPD ihre eigenen Wahlziele – zum Beispiel längeres gemeinsames Lernen oder gesetzliche Mindestlöhne – nur in einer Koalition mit der Linken verwirklichen könne.

Gallert sieht indes nach wie vor "gute Chancen" für einen Sieg bei der Landtagswahl. Mit Blick auf die Umfragewerte sprach er von einem "sehr hohen und stabilen Sockel". Allerdings räumte er ein, dass die Kommunismus-Debatte "definitiv nicht hilfreich" gewesen sei.

Linken-Landeschef Matthias Höhn sagte, für die Linke bleibe Platz eins realistisch. "Aber klar ist auch, dies ist nur mit einem hohen Maß an Geschlossenheit und der spürbaren Unterstützung durch unsere Bundespartei erreichbar."

CDU-Fraktionschef Jürgen Scharf betonte: "Der Trend stimmt und ermutigt uns. Es hat sich erneut gezeigt, dass die einzig realistische Perspektive für uns die Fortsetzung der CDU/SPD-Koalition ist." Die Schwerpunktsetzung der CDU im Regierungsprogramm für die Jahre 2011 bis 2016 sei richtig.

FDP-Fraktionschef Veit Wolpert sagte: "Die Umfragewerte sind klares Ergebnis des Bundestrends der vergangenen Wochen und Monate. Nun beginnt der Wahlkampf, und der Blick wird stärker auf die gute Arbeit der FDP-Fraktion im Landtag gerichtet."

Der neue Landtag wird am 20. März gewählt. Bei der Wahl 2006 hatte die CDU mit 36,2 Prozent klar vor Linkspartei (24,1), SPD (21,4), FDP (6,7) und Grünen (3,6) gelegen. Seitdem regiert eine CDU/SPD-Koalition unter Regierungschef Wolfgang Böhmer, der bei der Wahl nicht noch einmal antritt.

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