Der Winter hat seinem Namen bisher alle Ehre gemacht. Es gab Schnee in Massen und Dauerfrost. Für die Tourismusbranche zu viel des Guten. Viele Urlauber blieben lieber zu Hause, anstatt zu verreisen.

Magdeburg (dpa). Sachsen-Anhalts Tourismusbetriebe haben an dem Bilderbuchwinter bis Anfang Januar keine große Freude gehabt. Das Wetter war teilweise zu extrem, so dass die Tourismusregionen kaum zusätzlich von der weißen Pracht profitieren konnten. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei den zuständigen Verbänden. Im Harz gab es zwar über Wochen stabile Wintersportbedingungen und einen ebenso stabilen Besucherstrom. Die chaotischen Straßenverhältnisse in weiten Teilen Deutschlands hielten jedoch auch Gäste fern.

"Vor allem um Weihnachten sind viele nicht in den Harz gefahren, weil es zu glatt war", sagte Miriam Fuchs vom Harzer Tourismusverband in Goslar. "Das ist die Kehrseite der Medaille." Dabei seien es gerade die Weihnachtsmärkte in Wernigerode oder Quedlinburg, die jährlich viele Besucher motivieren, in den Harz zu reisen. "Derzeit kommen vor allem Wintersportler in den Harz. Viele Gäste wandern auch nur oder entspannen sich bei einem Kurzurlaub."

Für eine gute Bilanz benötige die Region einen "zweiten Winter", etwa bis Ende Februar. "Bis dahin haben wir auch wegen der Winterferien die Hauptwintersportsaison", sagte Fuchs. Und sie hat einen Wunsch: "Für Ski und Rodel gut brauchen wir freie Straßen."

Im Norden waren es die besonderen Weihnachtsmärkte wie der Bratapfelmarkt in Seehausen oder der Biedermeier-Christkindelmarkt in Werben (Landkreis Stendal), die Ausflügler im kalten Dezember in die Altmark lockten. "Wir haben hier bei den Besucherzahlen zugelegt und konnten durch die Exklusivität der Märkte die Nachfrage steigern", sagte Mandy Hodum, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Altmark. Genaue Zahlen gebe es erst Ende März. Die Hauptsaison für die bei Radfahrern und Wassertouristen beliebte Altmark beginnt im Frühling.

Im Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist es im Winter generell sehr ruhig. "Unsere Schlösser haben bis April geschlossen und auch der Gondel- und Fährverkehr ruht", sagte Steffen Kaudelka von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Es kommen vor allem Spaziergänger und Radfahrer, die in den Parks Ruhe suchen. In dieser Zeit werden keine Besucherzahlen erfasst. Der Park Luisium in Dessau-Roßlau ist derzeit sogar gesperrt, weil er Wildtieren als Rückzugsgebiet vor dem Hochwasser der Mulde dienen soll.

Nach Auskunft des Statistischen Landesamtes in Halle legte der Tourismus in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2009 zu. So stieg die Zahl der Übernachtungen von rund 650000 (Oktober 2009) auf knapp 680000 (Oktober 2010). Im Oktober 2008 lag sie bei 645000. Im Durchschnitt bleiben die Gäste konstant 2,5 Tage im Land.