Magdeburg. Kultusministerin Birgitta Wolff (CDU) geht davon aus, dass sich der neue Lehrplan für die Sekundarschule in Sachsen-Anhalt bewähren wird. Es sei sinnvoll, die Lehrinhalte auf das Wesentliche zu beschränken, sagte Wolff gestern bei einem Besuch der Sekundarschule "Thomas Mann" in Magdeburg. Sie begrüßte die Kompetenzorientierung im Lehrplan: Statt wie bisher auf bloße Wissensvermittlung setze dieser nun auf die vermittelten Fähigkeiten.

Dem zuständigen Referatsleiter im Kultusministerium, Torsten Klieme, zufolge war in den bisherigen Rahmenrichtlinien detailliert vorgeschrieben, was in welchem Stoffgebiet zu behandeln ist. "Es wurde aber nicht die Frage gestellt, was der Schüler davon hat", sagte Klieme. Im neuen Lehrplan hingegen werde dargelegt, welche Kompetenzen ein Schüler im jeweiligen Fach erwerben soll.

Der von 2007 an entwickelte Lehrplan wird seit diesem Schuljahr erprobt. Mit dem Schuljahr 2012/2013 soll er in Kraft treten. Der Plan schafft Freiräume für das Vertiefen elementarer Fachkompetenzen und zeigt zugleich den Weg zu fachübergreifenden Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Selbständigkeit auf.

Klieme nannte dies einen "Paradigmenwechsel" für die Sekundarschulen in Sachsen-Anhalt. Die Lehrer sollen entsprechend fortgebildet werden. Das Kultusministerium hat dazu Lehrerteams gebildet, die jeweils sechs bis acht der 175 Sekundarschulen betreuen. Ingrid Minning, Mitglied eines solchen Teams, sagte, Lehrer müssten künftig einen Schritt zurücktreten. Bisher hätten sie immer fächerorientiert gearbeitet, nun stehe mehr denn je der Schüler im Mittelpunkt.

Für Thomas-Mann-Schulleiter Thomas Maeder ist der neue Lehrplan die wahrscheinlich größte Veränderung im Sekundarschulbereich überhaupt. Mehr denn je müsse es künftig darum gehen, alle Schüler so mit Kompetenzen auszustatten, dass sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. "Wir müssen Schüler befähigen, eigenständig zu handeln", sagte Maeder.

Er sprach sich dafür aus, Unterricht sehr viel stärker als bisher auf konkrete Alltagssituationen auszurichten, etwa das Vorstellungsgespräch. Viele Schüler hätten Schwierigkeiten, sich selbst zu präsentieren. Aus Sicht des Schulleiters scheitern Schüler im Arbeitsleben auch weniger an fehlendem Können als an Willen und Motivation. Daher sei es richtig, die Vermittlung dieser Kompetenzen auszubauen.

Ein lebensnaher Unterricht ist auch das Anliegen von Kerstin Steffen, die an der Thomas-Mann-Schule Englisch und Deutsch unterrichtet. "Vor 20 Jahren hätte ich Schüler in Englisch 15 Sätze über New York auswendig lernen lassen", brachte sie ein Beispiel. "Heute lasse ich sie erklären, was sie alles bedenken müssen, wenn sie in die Oper gehen wollen."

Mit dem neuen Lehrplan sollen verstärkt neue Methoden in die Sekundarschulen einziehen, etwa fächerübergreifender Unterricht. Für Sabine Woitag, Mathe- und Physiklehrerin an der Thomas-Mann-Schule, muss es auch mehr Gruppenarbeit geben. Schüler müssten lernen, sich Dinge gegenseitig zu erklären und andere mitzunehmen, sagte sie.

Klieme regte an, über neue Formen der Leistungsbewertung nachzudenken. Gegenwärtig werde fast ausschließlich die Einzelarbeit bewertet und nicht die Gruppenarbeit.

Ob und wie die Einführung des neuen Lehrplans gelingt, will das Kultusministerium im Frühjahr 2012 bilanzieren. Rückmeldungen der Schulen sollen aufgegriffen und umgesetzt werden, so Klieme.