Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz hat trotz zurückgehender Pegelstände an Elbe und Saale keine Entwarnung gegeben. Im Gegenteil: Flussbereichsleiter Christian Jung rechnet mit neuen Überflutungen durch den weiter ansteigenden Grundwasserspiegel. Erst im Mai, so glaubt Jung, werde sich die Lage langsam entspannen.

Magdeburg. Christian Jung untersteht als Flussbereichsleiter der Hochwasserschutz angefangen von Aken an der Elbe bei Dessau und Nienburg an der Saale bei Bernburg bis nördlich von Magdeburg. Sein Haupteinsatzgebiet war in den vergangenen Tagen die Niederung im Dreieck Calbe/Saale, Barby und Schönebeck. Jung sieht nach den zurückgehenden Pegelständen an den Flüssen eine neue Gefahr: "Das Hochwasser war erst das Vorspiel. Wir rechnen in den nächsten Wochen mit einer Jahrhundertflut des Grundwassers, die sich unterirdisch auf Sachsen-Anhalt zubewegt."

Dem Absinken der Flusspegel folge zwangsläufig ein Ansteigen des Grundwassers in einem etwa 30 Kilometer breiten Korridor entlang der Flüsse. Der Wasserstand im Boden pegele sich einer Waage vergleichbar aus. "Das allein ist nicht ungewöhnlich. Aber es gibt noch andere Faktoren, die den Grundwasserspiegel weiter anheben werden", so der Fachmann.

So drücke das Flusshochwasser auf einen ohnehin auf Rekordhöhe stehenden Grundwasserstand. 2010 sei in Sachsen-Anhalt etwa doppelt so viel Niederschlag gefallen wie im Vorjahr. Das Grundwasser stand bereits im Oktober 2010 auf einem historischen Höchstwert. Jung sagte: "Durch die Schneeschmelze und den Niederschlag im Januar stieg der Grundwasserspiegel dann weiter an." An einem Referenzpunkt bei Barby stehe das Grundwasser inzwischen 2,05 Meter über dem Normalpegel. "Von Sachsen kommend fließt unterirdisch in einem wochenlangen Prozess weiteres Grundwasser flussabwärts auf uns zu. Auch das wird den Grundwasserspiegel erhöhen", erklärte der Fachmann.

Jung geht für die nächsten Wochen mit einem Grundwasseranstieg von weiteren 30 bis 70 Zentimetern entlang der Elbe aus. Erst im Mai könnte sich die Lage entspannen. "Anwohner sollten in ihren Gebäuden Vorkehrungen treffen. Auch in Kellern, die seit Jahrzehnten trocken waren, wird bald Wasser stehen." Vor allem die Gebiete Calbe/Barby, die östlichen Stadtteile und das östliche Umland von Magdeburg, Tangerhütte/Angern und der Bereich der Aland/Wische westlich von Havelberg müssten mit Grundwasser-Überflutungen rechnen, die wochenlang anhalten werden. Die Seite Drei