Schönebeck (ky/fi). Ein "Knöllchenregen" sorgt im Schönebecker Ortsteil Pretzien derzeit für Unmut unter den Bewohnern. Aufgrund des Hochwassers und speziell seit das Pretziener Wehr geöffnet ist, kommen die Pretziener nur über Umwege nach Schönebeck und Umgebung. Das heißt, die Betroffenen haben vorsorglich ihre Autos auf der anderen Seite des Wehrs, an der Dorfstraße Richtung Ranies, geparkt. Um täglich zur Arbeit zu gelangen, laufen die Frauen und Männer also zu Fuß über das Wehr, um dann von der anderen Seite mit ihrem dort geparkten Wagen loszufahren. Rund 30 Autos stehen seither täglich hier – wegen des Hochwassers wohlgemerkt.

Seit kurzem ziert nun ein Sperrschild hinter der Kurve das Straßenbild. Die Autos dahinter haben einen Strafzettel. "In dieser Situation ,Knöllchen‘ zu verteilen, ist eine Unverschämtheit. Wo sollen wir denn bitteschön parken?", fragte eine Fahrerin. "Ich bin seit zwei Tagen mal nicht Auto gefahren und jetzt steht hier eine Absperrung", empörte sich ein anderer Pkw-Fahrer.

Der Aufregung über das "Knöllchen" verteilende Ordnungsamt mischt sich zudem Ärger über die Hochwasser-Touristen bei. Mit Kinderwagen und Hund sollen sich die Furchtlosen an der Elbe und den Dämmen entlang bewegt haben. Hundekot und Müllreste zeugen täglich davon. Zahlreiche Volksstimme-Leser haben ihrem Unmut bereits Luft gemacht. Der Grundtenor ist: Einerseits kann das Ordnungsamt "Knöllchen" verteilen für die Autos, die hier aufgrund des Ausnahmezustandes parken, aber bei den Hochwasser-Touristen passiere nichts. Ist das Abzockerei? Auf Volksstimme-Nachfrage verneinte Stadtpressesprecher Hans-Peter Wannewitz das. Denn die Sperrung sei auf Anordnung des Salzlandkreises nach Hinweis durch den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft erfolgt.

Kulanz werde die Stadtverwaltung trotzdem zeigen, machte der Pressesprecher den geplagten Pretzienern Hoffnung. Wer ein "Hochwasser-Knöllchen" erhalten hat und das im Ordnungsamt glaubhaft macht, könne darauf bauen, dass die Erhebungsbehörde über den Einspruch zum Gebührenbescheid positiv befinden wird.