Für Sachsen-Anhalts Kultusministerium gibt es keinen Grund, die Schulstrukturen im Land zu verändern. Das Schulsystem biete genügend Möglichkeiten für alle Schüler, geeignete Abschlüsse zu erlangen, hieß es gestern in einem Pressegespräch in Magdeburg. Die SPD wies diese Ansicht zurück.

Magdeburg. Kultusministerin Birgitta Wolff und Bildungsstaatssekretär Winfried Willems (beide CDU) warnten davor, Schulerfolg allein durch die "gymnasiale Brille" zu betrachten. "Die Angst vor dem Sekundarschulabschluss ist ungerechtfertigt", sagte Wolff. Willems ergänzte, die Sekundarschule sei nicht die schwächere Schulform gegenüber dem Gymnasium, sondern habe mit ihrem Praxisbezug ein eigenes Profil.

Wolff und Willems bezogen sich damit auf die anhaltend hohe Quote von Schülern, die nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln. Sie betrug zuletzt 48 Prozent. Ministerin und Staatssekretär betonten, es gebe auch für Sekundarschüler ausreichend Aufstiegsmöglichkeiten. Mit guten Noten könnten sie nach der 6., 8. oder 10. Klasse an ein Gymnasium wechseln.

Besonders eindringlich warb die Kultus-Spitze für Anschlussbildungsgänge nach der Sekundarschule. So könnten Schüler mit dem Realschulabschluss an Fachgymnasien oder Fachoberschulen die Hochschulreife erwerben. An diesen Schulen haben Wolff zufolge 2009 fast 30 Prozent der Hochschulzugangsberechtigten ihre Hochschulreife erlangt. "Jeder Abschluss ermöglicht jeden beliebigen Anschluss", sagte die Ministerin.

Derweil erwies sich die Schwelle von Sekundarschulen zu Gymnasien in den zurückliegenden Jahren als sehr hoch. Es wechselten wesentlich weniger Sekundarschüler ans Gymnasium als umgekehrt.

Willems mahnte, auch die Gymnasien sollten ihre Fördermöglichkeiten ausschöpfen. Der gegenwärtige Lehrerüberhang könne für sogenannte ergänzende schulische Angebote genutzt werden. "Wir müssen die Abschulungsmentalität ändern", sagte Willems. Er vermutete bei manchen Lehrern das Denken, dass einige ihrer Schüler nicht ans Gymnasium gehörten. Der Staatssekretär nannte es eine "innerschulische Verpflichtung", alle Schüler bestmöglich zu fördern.

Die SPD-Bildungspolitikerin Rita Mittendorf warf dem CDU-geführten Kultusministerium vor, "sich die Welt schönzureden". Das Schulsystem in Sachsen-Anhalt sei weder durchlässig noch gerecht. Dies ließe sich unter anderem an der wieder gestiegenen Quote von Schülern ohne Hauptschulabschluss – 2010 waren es 12,7 Prozent – ersehen.Meinung I

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