Der traditionelle Neujahrsempfang der Landesregierung gestern Abend im Magdeburger Palais am Fürstenwall fiel aus dem üblichen Rahmen. Da an diesem Tag Ministerpräsident Wolfgang Böhmer seinen 75. Geburtstag feierte, war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) zur Gratulationscour angereist.

Magdeburg. Die Kanzlerin würdigte in Anwesenheit von mehr als 500 Repräsentanten des öffentlichen Lebens, darunter ehemalige und amtierende Ministerpräsidenten sowie 22 Botschafter und zahlreiche konsularische Vertreter aus 32 Nationen, das Wirken Böhmers. "Professor Böhmer steht stellvertretend für viele, die 1989 ihr Leben vollkommen verändert haben", sagte sie. Er sei mit "Leib und Seele, mit Herz und Verstand" für die Politik gewonnen worden und habe auf nachhaltige Art "eine Menge für das Land auf die Reihe gebracht".

Merkel würdigte das vertrauensvolle Miteinander von CDU und SPD in der Landesregierung. Es sei eine ganz besondere Atmosphäre, ohne Sticheleien, typisch für das Land und sehr erfolgreich. "Sie können stolz sein auf das, was im Land geschieht."

Böhmer hatte zuvor ein positives Fazit der letzten Jahre gezogen und dafür lang anhaltenden Beifall bekommen. "Wir haben die Wirtschaftskrise gut überstanden, die Industrie in Sachsen-Anhalt hat sich in den ersten drei Quartalen 2010 positiv entwickelt, und die Arbeitslosenzahlen sind so niedrig wie seit Beginn der neunziger Jahre nicht mehr. Wir haben die Verwaltungsstrukturen den demografischen Veränderungen angepasst und begonnen, den Haushalt zu konsolidieren. Wir können optimistisch in die Zukunft schauen."

Als erfreulich bezeichnete der Ministerpräsident die gewachsene Verbundenheit der Menschen mit ihrem Land. "Identität lässt sich nicht verordnen, sie wächst organisch. Als ein im Inneren gefestigtes Land können wir uns nach außen selbstbewusst und glaubhaft präsentieren. Das wird natürlich durch die gemeinsam erreichten Erfolge in den letzten Jahren sehr erleichtert", betonte Böhmer. Dafür dankte er "den Menschen im Land" ausdrücklich.

Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD), der als stellvertretender Ministerpräsident die Glückwünsche des Kabinetts überbrachte, sagte, dass Böhmer einen "wesentlichen Anteil daran hatte, dass das Land so gut vorangekommen" sei. "Es war eine gute Zeit", sagte Bullerjahn mit Blick auf das Ende der Legislaturperiode. Er überreichte Böhmer als Geburtstagsgeschenke eine besondere Schreibtischunterlage und eine 75-Cent-Briefmarke mit dessen Konterfei. Die Konrad-Adenauer-Stiftung gab zu seinen Ehren ein Buch heraus, in dem 49 Autoren über Böhmer schreiben.