Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) hat gestern ein umfassendes Maßnahmepaket angekündigt, um das Grundwasserproblem in Sachsen-Anhalt langfristig in den Griff zu bekommen. Für Schönebeck wurde bereits gemeinsam mit der Stadt ein Pilotprojekt eingeleitet, das künftig auf ähnlich gelagerte Fälle übertragen werden soll.

Magdeburg. "Wir haben ein Grundwasserproblem in Sachsen-Anhalt, das wir in dieser Dimension seit langer Zeit oder überhaupt noch nicht hatten", erklärte gestern Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU). "Und selbst bei einem sehr trockenen Sommer werden wir noch eine ganze Weile mit erhöhten Grundwasserständen zu tun haben."

Von den 1100 Grundwassermessstellen in Sachsen-Anhalt wies im vergangenen Jahr jede dritte Messstelle Rekordstände auf - mindestens innerhalb der letzten zehn Jahre, in Einzelfällen sogar in den letzten 100 Jahren. Die Folge: Viele Sachsen-Anhalter, vor allem im Osten und Südosten des Landes, haben Wasser in ihren Kellern. Ein Problem, mit dem sie zuvor nicht konfrontiert worden waren. Bauern kommen nicht auf ihre Felder, weil diese vollkommen durchnässt sind und das Wasser nicht abfließt.

Die Ursachen sind vielschichtig - je nach Region:

p in landesweit überdurchschnittlichen Niederschlägen innerhalb der vergangenen vier Jahre

p im Rückgang der öffentlichen Wasserversorgung aus dem Grundwasser (zwischen 1991 und 2008 von 196 Millionen Kubikmetern auf 124 Millionen Kubikmeter)

p in der Einstellung des Bergbaus

p durch die mangelnde Beachtung der Grundwasserverhältnisse bei Infrastruktur- und Baumaßnahmen

p Landnutzungsänderungen.

Das Land will die Verantwortlichen vor Ort unterstützen - mit zwei Strategien: In bebauten Gebieten soll es landesweit übertragbare Ansätze für ein Gebietswassermanagement geben. Dazu läuft bereits gemeinsam mit der Stadt Schönebeck ein Pilotprojekt – der Ortsteil Felgeleben hat massive Grundwasserprobleme.

Für Vernässungen in der Fläche sollen Masterpläne gemeinsam mit dem Landesamt für Hochwasserschutz erarbeitet werden. Dazu sollen sich in diesem Monat in den sieben Flussbereichen des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LWH) regionale Arbeitsgruppen etablieren, die im Mai erste Ergebnisse vorlegen.

Geplant ist sowohl eine landesweite Erfassung und Kennzeichnung bebauter Gebiete, die bis Anfang der 90er Jahre durch industriell und kommunal bedingte Grundwasserabsenkungen beeinflusst waren, als auch die sachsen-anhaltweite Erfassung der vernässten Flächen. Zur Ursachenanalyse gehört unter anderem auch die Einbeziehung historischer Katasterkarten mit Informationen über alte Entwässerungssysteme, sämtliche Eingriffe in den Baugrund mit Auswirkungen auf die Grundwasserverhältnisse sowie historische und aktuelle Daten zur Landnutzung und zur Regulierung des Gebietswasserhaushaltes. Ausgewertet werden derzeit auch Daten einer Befliegung vom 22. Januar über der Region Calbe-Barby-Schönebeck bis hin zum Mittellandkanal.

Wenn die Ursachen klar sind, sollen die technischen Möglichkeiten erörtert, die Zuständigkeiten und die Finanzierung geklärt werden. Aeikens stellte dazu auch EU-Programme für den ländlichen Raum in Aussicht. "Wir müssen uns überlegen, ob wir künftig die Sanierung von ortsprägenden Gebäuden mitfinanzieren oder das Geld besser für die Grundwasserregulierung ausgeben."

Die Kosten sind vorerst noch nicht abschätzbar. Eines ist aber jetzt schon klar: "Die Umsetzung dieses Programms dauert länger", erklärte Ekkehard Wallbaum, Referatsleiter Gewässerschutz im Umweltministerium.

"Die Ziehung von Gräben wird nicht in jedem Fall das Grundwasserproblem lösen", erklärte Aeikens. Viele Bürger se-hen in deren Zuschüttung in der Vergangenheit die Ursache für den Grundwasseranstieg. Das Hauptproblem, so Burkhard Henning, Chef des Landesamtes für Hochwasserschutz, seien die hohen Pegel der Flüsse durch die überdurchschnittlich hohen Niederschläge, die damit einen Abfluss verhindern.

Aeikens hofft darauf, dass Lösungen vor Ort im Konsens getroffen werden. Er erwartet in Einzelfällen auch Schwierigkeiten bei der Umsetzung einzelner Maßnahmen im Hinblick auf den Naturschutz. Möglich sei, dass künftig nicht in jedem Baugebiet Häuser mit Keller gebaut werden dürfen. Dazu bedürfe es allerdings der Änderung der Landesbauordnung.