Ein 24 Jahre alter Mann aus dem Salzlandkreis muss sich seit gestern vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Magdeburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung, Unfallflucht und versuchten Mord vor.

Magdeburg l Thomas E. hat während des Ermittlungsverfahrens zur Tat geschwiegen, und er schweigt auch beim Prozess vor der Schwurgerichtskammer. Das ist sein gutes Recht als Angeklagter. Und diese Prozessstrategie darf ihm - so machte Kammervorsitzender Dirk Sternberg gestern noch einmal deutlich - "nicht zum Nachteil gereichen". Allerdings werde sich das Gericht dann anhand der Indizien eine Meinung bilden müssen - ohne dass der Angeklagte eine Möglichkeit habe, das eine oder andere geradezu- rücken.

Oberstaatsanwältin Martina Klein geht davon aus, dass Thomas E. am frühen Morgen des 29. Mai 2010 einen Mann angefahren hat und ihn sterben ließ.

Angefahrener rollte über Motorhaube und stürzte auf Straße

Der Angeklagte sei mit einem silbernen A4, der auf seine Mutter zugelassen war, zwischen 3 und 5.40 Uhr kurz hinter Elbenau auf der K296 frontal gegen einen 68-Jährigen gefahren. Dieser sei über die Motorhaube abgerollt und auf die Straße gestürzt.

"Thomas E. stieg aus, sah, dass der Mann noch lebte, leitete aber keine Rettungsmaßnahmen ein." Im Gegenteil: Er habe den Schwerstverletzten auf den Grasstreifen neben der Straße geschleift. Dieter K. starb an schweren Schädel-Hirn-Verletzungen. Zwar wäre er auch gestorben, wenn der Unfallverursacher Hilfe geholt hätte, aber er habe mit seiner Handlungsweise eine Straftat verdecken wollen - somit bewege sich die Tat in Richtung versuchten Mordes.

Um 5.45 Uhr war das Opfer mit der großen Wunde am Hinterkopf gefunden worden.

Auf die Spur gekommen war die Polizei Thomas E. durch einen anonymen Hinweis. Man soll sich einmal um den Mann aus Plötzky kümmern, hatte es in dem Tipp geheißen.

Anders als auf Fragen zum Tatvorwurf antwortete der gelernte Forstwirt auf Fragen zu seiner Person. Dabei räumte der Arbeitslose gegenüber der Oberstaatsanwältin ein, dass ihm der Führerschein 2006 zum ersten Mal wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss entzogen worden war. 2010 - kurz nach dem Unfall auf der Kreisstraße - waren seine Papiere erneut eingezogen worden. Er war mit Drogen im Blut erwischt worden. Und E. gab auch unumwunden zu, dass er nach wie vor Cannabis rauche - "aber nicht mehr so dolle".

Als erster sagte gestern ein Zeuge aus, der am Tatmorgen mit dem Auto unterwegs war. Er habe gegen 2.20 Uhr einen älteren Mann in Richtung Elbenau auf der Straße kriechen sehen. Dieser, so sein Blick in den Rückspiegel, sei dann jedoch wieder aufgestanden. "Ich habe erst gedacht, dass es ein Reh ist. Dann erkannte ich einen Menschen. Er war betrunken, aber nicht hilflos", habe er damals die Situation eingeschätzt.

Ein Autoschlosser aus Schönebeck, der dort sein Jagdrevier hat, hatte bis in die frühen Morgenstunden auf seinem Hochsitz gesessen. Auf dem Rückweg zum Auto habe er nach 3 Uhr einen Mann auf der Straße hocken gesehen. "Ich habe ihn angesprochen: Was machen Sie hier? Seine Antwort: Ich suche Brennholz." Er habe ihm noch gesagt: Sie können hier nicht auf der Straße bleiben. Daraufhin sei der Mann auf dem Rad-/Fußweg weitergelaufen.

Sowohl der erste, als auch der zweite Zeuge sprachen von einem älteren Mann mit brauner Hose.

Ein 32-Jähriger, der damals die Volksstimme austrug, erinnerte sich an einen silberfarbenen A4, den er an jenem Morgen mehrfach gesehen habe. "Mit jungen Leuten drin, die Party machten, aus den Fenstern hingen und laute Musik anhatten. Den Angeklagten erkenne er allerdings nicht als denjenigen wieder, der am Steuer des A4 saß.

Der vierte Zeuge hatte gemeinsam mit seiner damaligen Freundin den Toten gefunden. Er hatte die schwere Kopfverletzung gesehen, und seine Freundin hatte die Polizei alarmiert.

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