Gladau l In Gladau wird die Schweinezucht eingestellt, die zuletzt rund 60 000 Tiere werden schrittweise verkauft. Im August ist endgültig Schluss. Das sagte ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der aus den Niederlanden stammende Straathof zieht damit anscheinend einen Schlussstrich unter das Kapitel Gladau. Die Behörden im Jerichower Land hatten Straathof, einem der größten Schweinezüchter in Europa, mehrfach Verstöße gegen den Tierschutz vorgeworfen und zuletzt die Schließung der Anlage verlangt. Straathof hat unter anderem auch im Land Brandenburg und in Niedersachsen Betriebe.

Der Landkreis Jerichower Land hatte im November 2014 gegen Straathof persönlich ein bundesweites Schweinehaltungsverbot wegen Verstößen gegen den Tierschutz verhängt. Daraufhin hatte Straathof den Betrieb in Gladau im Dezember an eine GmbH verpachtet. Nachdem der Landkreis im Januar auch gegen den Betrieb selbst vorging, habe der Pächter die Verträge gekündigt, weil er so keine wirtschaftliche Perspektive mehr sehe, sagte der Straathof-Sprecher.

"Wenn dem so ist, muss ich sagen: Natürlich hätten wir gern eine Lösung gefunden, dass die Anlage ordnungsgemäß betrieben wird", erklärte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) gestern Abend auf Volksstimme-Anfrage. Eine Information zur Schließung der Anlage liege ihm bis dato von Straathof nicht vor. Er bedauere den Schritt: "Eine korrekt arbeitende Anlage ist mir lieber als gar kein Betrieb." Die Schließung sei letztlich eine Entscheidung des Unternehmers. "Leider hat es mit Straathof nie einen Dialog gegeben. Stets kam es gleich zum Rechtsstreit." Mit Blick auf die Straathof-Anlage in Kleindemsin betonte Burchhardt: "Es ist eine andere Anlage mit anderen Bedingungen. Wir werden dort aber ebenso genau hinschauen wie in Gladau."

"Ich bin überrascht und betroffen", erklärte Genthins Bürgermeister Thomas Barz (parteilos). Moderne Nutztierhaltung müsse nach Recht und Gesetz erfolgen, stellte er klar. Großanlagen wie Gladau passten jedoch nicht in eine Region wie Genthin. Der Verlust von 40 Arbeitsplätzen sei "schwierig, sehr schwierig".

Straathof will nun den Dialog mit der Politik über die Zukunft der Schweinezucht im Land suchen. Man wolle unter anderem mit Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) reden, erklärte ein Sprecher gestern. "Wir möchten die Anlagen in Sachsen-Anhalt wie an unseren anderen Standorten zur Zufriedenheit der Behörden betreiben", hatte Straat-hof unlängst mitteilen lassen.

"So eine Schließung in dieser Dimension hat es noch nie gegeben", begrüßte Grünen-Politikerin Dorothea Frederking den Schritt. "Das wird auch bundesweit ein Signal sein", sagte die Abgeordnete. "Das ist für die Tiere gut, weil endlich auch praktisch was passiert."

Am heutigen Freitag will der Landtag von Sachsen-Anhalt über Massentierhaltung diskutieren. Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) hatte bereits Obergrenzen gefordert. Der Landesbauernverband argumentiert dagegen, das Tierwohl hänge nicht von der Anzahl der gehaltenen Tiere ab.

Frederking sieht das Land beim Tierschutz in der Pflicht. Der Fall Gladau sei keine Eintagsfliege. Frederking fordert: "Minister Aeikens muss die betreffenden Kreise des Landes auffordern, vollumfängliche Kontrollen in diesen Anlagen durchzuführen."