Halle (dpa) l Sie befragen Bekannte, nehmen Speichelproben von Verdächtigen und schalten Aufrufe im Fernsehen: Auch ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod einer jungen Studentin in Halle lassen die Ermittler den Fall nicht ruhen. "Die Kollegen sind noch immer hochmotiviert bei der Sache", sagte Polizeisprecherin Ulrike Diener. Am 7. Februar vergangenen Jahres hatte ein Fußgänger in einem Nebenarm der Saale unweit der Kunsthochschule den leblosen Körper der damals 29-Jährigen aus Bulgarien gefunden. Der Tod löste in Halle große Bestürzung aus. Doch trotz intensiver Ermittlungen gibt es noch immer keinen Tatverdächtigen.

Mordkommission geht von Zufallstat aus

13 Beamte der Mordkommission "Neuwerk" suchen nach wie vor nach dem Mörder der Frau, die in Halle Betriebswirtschaftslehre studierte. Sie durchlebten viele Höhen und Tiefen. Mehr als 2000 Speichelproben werteten sie aus, befragten Tausende Menschen und schalteten Aufrufe im Fernsehen, wie Diener sagte. Im November meldeten sich nach der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" insgesamt 20 Anrufer mit Hinweisen. Aber keiner führte zu einem Tatverdächtigen.

Im April veröffentlichten die Ermittler ein Foto vom Schlüssel der jungen Frau, der an einem schwarzen Band mit einem lila Stoffhasen hing - aber sie bekamen keine Hinweise. Einen Monat später setzten sie 10000 Euro Belohnung aus - ebenfalls ohne zählbares Ergebnis.

"Wenn es eine Zufallstat war, ist es schwierig, jemanden zu finden", erklärte die Polizeisprecherin. Oft kenne ein Mörder sein späteres Opfer aus dem Bekanntenkreis oder der Familie. Beides scheint nicht der Fall zu sein. Fest steht nur: Die junge Bulgarin wurde das Opfer eines Sexualverbrechens. Die Mordkommission setzt ihre Suche fort.

Mit Kerzen und Gebeten nahmen damals im April rund 200 Menschen in Halle bei einer Trauerfeier in der Marktkirche Abschied von der getöteten Bulgarin. Einen Monat zuvor war die Frau im Kreise ihrer Familie in ihrer Heimat beerdigt worden. Seit 2005 hatte sie in Halle gelebt.