Was sind Gemeinschaftsschulen?

Mit der Gemeinschaftsschule hat Sachsen-Anhalt neben Förderschule, Sekundarschule, Integrierter Gesamtschule und Gymnasium eine fünfte weiterführende Schulform eingeführt.

Die ersten sieben Gemeinschaftsschulen waren mit Beginn des Schuljahres 2013/14 gestartet. In ihnen lernen Schüler bis zum Ende der 8. Klasse gemeinsam. Erst dann gibt es getrennten Unterricht für den Sekundarschulabschluss (nach der 10. Klasse) beziehungsweise für das Abitur (je nach Modell nach der 12. oder 13. Klasse).

Hat die Gemeinschaftsschule keine eigene gymnasiale Oberstufe, müssen die Schüler an eine Partnerschule wechseln, etwa ein Gymnasium.


Die Neugründungen

Gemeinschaftsschulen entstehen durch die Umwandlung einer Sekundarschule oder eines Gymnasiums. Nach dem Votum der Schule selbst und des Schulträgers (Kreistag oder Stadtrat) erteilt das Landesschulamt die Genehmigung.

In diesem Sommer sollen folgende Gemeinschaftsschulen entstehen: Lessingschule Salzwedel, Comeniusschule Salzwedel, Möckern/Loburg (durch Fusion zweier Sekundarschulen), Gröbzig, Wanzleben, Eilsleben, Thomas-Müntzer-Schule Magdeburg, Egeln.

Zu den Anträgen der Sekundarschulen Osterburg und Friedrichstadt Wittenberg steht das Votum der Kreistage noch aus, die Zustimmung ist fraglich.

Magdeburg l Voraussichtlich acht neue Gemeinschaftsschulen werden im Sommer den Betrieb aufnehmen. Es handelt sich um bisherige Sekundarschulen. Die Kinder lernen dort weitgehend gemeinsam, werden also nicht wie bislang üblich nach der Grundschule auf verschiedene Schulformen aufgeteilt. Die CDU lehnt das von der SPD durchgesetzte Modell offiziell ab.

Die Parteibasis allerdings zeigt wenig Berührungsängste, wie eine Volksstimme-Umfrage zeigt. Sämtliche Neugründungen in diesem Sommer erfolgen mit dem Segen von CDU-Lokalpolitikern. In den meisten Kreistagen und im Stadtrat von Magdeburg haben die Christdemokraten sogar geschlossen für die Umwandlung von Sekundarschulen in Gemeinschaftsschulen gestimmt.

Mehrheit für gemeinsames Lernen bis zur 8. Klasse

Unter den Befürwortern sind selbst Landtagsabgeordnete, etwa Markus Kurze aus Burg. Er begründet seinen Kurswechsel mit der gefährdeten Lage der Sekundarschulen Möckern und Loburg (Jerichower Land). Durch die Umwandlung zur Gemeinschaftsschule ließen sich zusätzliche Schüler anziehen, die jetzt zum Gymnasium nach Zerbst pendeln. "Wenn ich für die Region etwas erreichen kann, muss ich pragmatisch handeln", sagt Kurze. Ohnehin habe er Zweifel, ob es sinnvoll sei, die Kinder nach der vierten Klasse zu trennen.

Im Altmarkkreis Salzwedel haben die Christdemokraten einstimmig den Weg für zwei Gemeinschaftsschulen freigemacht. Für ihn zähle nicht der CDU-Kurs in Magdeburg, "sondern die Wirklichkeit auf dem platten Land, wo Entfernungen eine Rolle spielen", sagt Fraktionschef Matthias Mann. Wenn die Schüler länger gemeinsam lernten, könnten sie auch in ihrem gewohnten sozialen Umfeld bleiben.

Magdeburg hat nur noch eine Sekundarschule

Flexibel agiert der CDU-Landtagsabgeordnete Gunnar Schellenberger, Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag. Zwar hält er die Gemeinschaftsschule für einen "Irrweg", die qualifizierte Förderung in getrennten Schulen sei "zehnmal besser". Als Kreistagsmitglied hat er dennoch für die Gründung einer Gemeinschaftsschule in Egeln (Salzlandkreis) gestimmt. "Die Region will das haben, die Schule, die Eltern, der Stadtrat", sagt der gelernte Gymnasiallehrer, "da bin ich als Demokrat gut beraten, wenn ich das akzeptiere."

Die Zahl der Gemeinschaftsschulen steigt in diesem Sommer von 22 auf mindestens 30. Vorreiter ist Magdeburg: In der Landeshauptstadt wird es außer der Sportschule keine einzige Sekundarschule mehr geben, dafür acht Gemeinschaftsschulen.