Viele Kommunen zwischen Arendsee und Zeitz drehen derzeit an der Gebührenschraube für die Kita-Elternbeiträge. Die Kinderbetreuung kostet die Städte und Gemeinden Millionen - und angesichts angespannter Haushaltslage müssen sie den Eltern immer tiefer in die Tasche greifen.
Magdeburg l 960 Euro sind viel Geld - für manche ein Monatsgehalt, für andere die mühsam zusammengesparte Urlaubskasse. Eltern, die ihr Kind in der Gemeinde Huy (Landkreis Harz) ganztags in die Krippe bringen, dürften neidisch ins rund 30 Kilometer entfernte Harzstädtchen Ilsenburg blicken. Denn dort kostet Juniors Kita-Besuch Mama und Papa eben jene 960 Euro weniger.
Eine Familie aus Remkersleben (Landkreis Börde) mit Haus und drei Kindern rechnete kürzlich in einem Leserbrief an die Volksstimme vor, eine von der Einheitsgemeinde Wanzleben-Börde geplante Erhöhung der Elternbeiträge koste sie 1200 Euro im Jahr. Uns droht eine Verarmung, schrieb sie und spielte mit dem Gedanken, nach Magdeburg zu ziehen - dort könne sie dank Geschwisterbonus bis zu 4000 Euro im Jahr sparen.
Fest steht: Die Eltern in Sachsen-Anhalt zahlen je nach Wohnort sehr unterschiedliche Beiträge für die Betreuung ihrer Kinder in Krippen, Kindergärten und Horten - innerhalb der Landkreise und auch zwischen ihnen gibt es deutliche Unterschiede. Huy und Ilsenburg sind ein extremes Beispiel, doch 20 bis 30 Euro Differenz pro Monat sind keine Seltenheit.
Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Eltern im Süden des Landes zahlen im Schnitt am wenigsten für die Betreuung ihrer Kinder. Ob Krippe oder Kindergarten, Halb- oder Ganztagsplatz, im Saalekreis ist der Kita-Besuch am günstigsten. Auch der Burgenlandkreis liegt fast immer unter dem Landesdurchschnitt.
Teuerstes Kita-Pflaster ist die Landeshauptstadt. Kindergarten- und Halbtagskrippenplätze sind in Magdeburg im Landesvergleich am teuersten, ein Bonus für Geschwisterkinder relativiert aber die Kosten für Mehrkindfamilien. Auch die Landkreise Börde und Harz fallen negativ auf. Eltern im Jerichower Land zahlen mit 57,23 Euro beinahe doppelt so viel für die Hortbetreuung wie in Dessau-Roßlau (30 Euro). Das summiert sich im Jahr auf immerhin rund 330 Euro. Einige Eltern, vor allem Berufspendler, bringen ihre Kinder deshalb nicht im eigenen Wohnort unter, sondern in anderen Kommunen oder gar Landkreisen. Was sie dadurch sparen, muss jedoch ihre eigene Gemeinde erstatten.
Doch wie entstehen die unterschiedlichen Elternbeiträge? Um das zu verstehen, ist ein Blick in die Finanzierung der Kinderbetreuung notwendig (siehe Infokasten). Es wird klar: Die Eltern leisten nicht nur über gezahlte Steuergelder, sondern auch über monatliche Gebühren ihren Anteil an der Kinderbetreuung - werden aber von den Kommunen sehr unterschiedlich zur Kasse gebeten.
"Abhängig von der Größe und Art der Kita können die Kosten für eine Kommune schwanken", erklärt Karen Becker, Kita-Expertin beim Städte- und Gemeindebund. Sanierungsstand, Bausubstanz und Energiekosten würden vor allem bei alten Gebäuden ins Kontor schlagen. Neu gebaute, kleine Kitas wirtschaften besser als alte Großeinrichtungen, weiß Holger Paech, Sprecher des Sozialministeriums. Ein Großteil der Kosten geht für Personalkosten drauf. Kommunen, die keine Ermäßigungen für Geschwisterkinder eingeführt haben, verlangen mehr Beiträge. Und nicht zuletzt ist die Beitragshöhe auch eine politische Entscheidung: So sind die Beiträge in Dessau-Roßlau deshalb so günstig, weil sich eine Steigerung im Stadtrat nicht durchsetzen konnte. Manch finanzkräftige Kommune nutzt niedrige Gebühren als Standortvorteil, um Eltern anzulocken.
Dennoch: Ob Jerichower Land, Altmark oder Börde - in vielen Landkreisen wollen die Kommunen angesichts knapper Kassen und steigender Kosten die Elternbeiträge erhöhen. Ein Umzug oder ein Wechsel in eine Nachbargemeinde könnte sich deshalb für manche Familien lohnen.
Im neuen Kinderförderungsgesetz will das Sozialministerium auch die Finanzierung der Kitas im Land komplett umstellen und die Elternrechte stärken. "Das bringt mehr Transparenz ins System", ist Sprecher Holger Paech sicher.
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Der Tunnel kommt doch ....! Die Typen vom BUND (die noch auf Kosten der Steuerzahler agieren) machen die ganze Thematik TUNNEL um das doppelte teurer. Das diese "Fraktion" nicht endlich beiseite geschoben wird, ist mir unverständlich. Was ist das bloß für eine Gesellschaft ?! Zu DDR-Zeiten war dieser tunnel im Gespräch, weil er gebraucht wurde und gebraucht wird. Nur mit dem Unterschied, die DDR hatte kein Geld. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die Sache durchziehen !
Vergesst die inzwischen verschwundenen Museen nicht! Da gehen große Kostbarkeiten verloren - wie im Fall des in Sachsen-Anhalt einmaligen und großen Natur- und Völkerkunde-Museums "Julius Riemer" in Wittenberg. Das hat inzwischen geschlossen und es steht in den Sternen, ob es je wieder in annähernd der Größenordnung zu sehen sein wird wie bisher. Siehe auch www.riemer-museum.de - die Webseite der Bürgerinitiative, die versucht, das Museum zu retten. Dort gibt es auch eine Fotogalerie (im Aufbau) über die breit gefächerte Sammlung kostbarer und kostbarster Zeugen der Entwicklung des Lebens und vor allem der Menschheitskultur.