• 23. Mai 2012



Sie sind hier:



Bei den Elternbeiträgen für Krippe, Kindergarten und Hort gibt es in Sachsen-Anhalt große Unterschiede. Von Andreas Stein


Kita-Beiträge: Eltern in Magdeburg zahlen am meisten für die Betreuung ihrer Kinder

04.02.2012 05:25 Uhr |





Viele Kommunen zwischen Arendsee und Zeitz drehen derzeit an der Gebührenschraube für die Kita-Elternbeiträge. Die Kinderbetreuung kostet die Städte und Gemeinden Millionen - und angesichts angespannter Haushaltslage müssen sie den Eltern immer tiefer in die Tasche greifen.

Anzeige

Magdeburg l 960 Euro sind viel Geld - für manche ein Monatsgehalt, für andere die mühsam zusammengesparte Urlaubskasse. Eltern, die ihr Kind in der Gemeinde Huy (Landkreis Harz) ganztags in die Krippe bringen, dürften neidisch ins rund 30 Kilometer entfernte Harzstädtchen Ilsenburg blicken. Denn dort kostet Juniors Kita-Besuch Mama und Papa eben jene 960 Euro weniger.

Eine Familie aus Remkersleben (Landkreis Börde) mit Haus und drei Kindern rechnete kürzlich in einem Leserbrief an die Volksstimme vor, eine von der Einheitsgemeinde Wanzleben-Börde geplante Erhöhung der Elternbeiträge koste sie 1200 Euro im Jahr. Uns droht eine Verarmung, schrieb sie und spielte mit dem Gedanken, nach Magdeburg zu ziehen - dort könne sie dank Geschwisterbonus bis zu 4000 Euro im Jahr sparen.

Fest steht: Die Eltern in Sachsen-Anhalt zahlen je nach Wohnort sehr unterschiedliche Beiträge für die Betreuung ihrer Kinder in Krippen, Kindergärten und Horten - innerhalb der Landkreise und auch zwischen ihnen gibt es deutliche Unterschiede. Huy und Ilsenburg sind ein extremes Beispiel, doch 20 bis 30 Euro Differenz pro Monat sind keine Seltenheit.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Eltern im Süden des Landes zahlen im Schnitt am wenigsten für die Betreuung ihrer Kinder. Ob Krippe oder Kindergarten, Halb- oder Ganztagsplatz, im Saalekreis ist der Kita-Besuch am günstigsten. Auch der Burgenlandkreis liegt fast immer unter dem Landesdurchschnitt.

Teuerstes Kita-Pflaster ist die Landeshauptstadt. Kindergarten- und Halbtagskrippenplätze sind in Magdeburg im Landesvergleich am teuersten, ein Bonus für Geschwisterkinder relativiert aber die Kosten für Mehrkindfamilien. Auch die Landkreise Börde und Harz fallen negativ auf. Eltern im Jerichower Land zahlen mit 57,23 Euro beinahe doppelt so viel für die Hortbetreuung wie in Dessau-Roßlau (30 Euro). Das summiert sich im Jahr auf immerhin rund 330 Euro. Einige Eltern, vor allem Berufspendler, bringen ihre Kinder deshalb nicht im eigenen Wohnort unter, sondern in anderen Kommunen oder gar Landkreisen. Was sie dadurch sparen, muss jedoch ihre eigene Gemeinde erstatten.

Doch wie entstehen die unterschiedlichen Elternbeiträge? Um das zu verstehen, ist ein Blick in die Finanzierung der Kinderbetreuung notwendig (siehe Infokasten). Es wird klar: Die Eltern leisten nicht nur über gezahlte Steuergelder, sondern auch über monatliche Gebühren ihren Anteil an der Kinderbetreuung - werden aber von den Kommunen sehr unterschiedlich zur Kasse gebeten.

"Abhängig von der Größe und Art der Kita können die Kosten für eine Kommune schwanken", erklärt Karen Becker, Kita-Expertin beim Städte- und Gemeindebund. Sanierungsstand, Bausubstanz und Energiekosten würden vor allem bei alten Gebäuden ins Kontor schlagen. Neu gebaute, kleine Kitas wirtschaften besser als alte Großeinrichtungen, weiß Holger Paech, Sprecher des Sozialministeriums. Ein Großteil der Kosten geht für Personalkosten drauf. Kommunen, die keine Ermäßigungen für Geschwisterkinder eingeführt haben, verlangen mehr Beiträge. Und nicht zuletzt ist die Beitragshöhe auch eine politische Entscheidung: So sind die Beiträge in Dessau-Roßlau deshalb so günstig, weil sich eine Steigerung im Stadtrat nicht durchsetzen konnte. Manch finanzkräftige Kommune nutzt niedrige Gebühren als Standortvorteil, um Eltern anzulocken.

Dennoch: Ob Jerichower Land, Altmark oder Börde - in vielen Landkreisen wollen die Kommunen angesichts knapper Kassen und steigender Kosten die Elternbeiträge erhöhen. Ein Umzug oder ein Wechsel in eine Nachbargemeinde könnte sich deshalb für manche Familien lohnen.

Im neuen Kinderförderungsgesetz will das Sozialministerium auch die Finanzierung der Kitas im Land komplett umstellen und die Elternrechte stärken. "Das bringt mehr Transparenz ins System", ist Sprecher Holger Paech sicher.



Kommentare 0 Kommentare


Dokumenten Information
Copyright © Volksstimme 2012
Dokument erstellt am 2012-02-04 05:25:37
Letzte Änderung am 2012-02-04 05:25:37


Weitere Artikel aus 7-Tage-News


Zeig, was du machst!

Das mit Landesmitteln finanzierte Projekt "Freistil - Jugend engagiert in Sachsen-Anhalt" berät Jugendliche, informiert sie und bildet sie weiter, damit sie eigene Projekte verwirklichen können - von der Schülerfirma bis zum Rockkonzert... weiterlesen

 Jana Kruse

"Nein, ich engagiere mich nicht. Aber ich bin in der Schul-AG!"

In diesem Jahr lobt das Projekt "Freistil - Jugend engagiert in Sachsen-Anhalt" der Freiwilligenagentur Halle den 10. Jugendengagementwettbewerb aus... weiterlesen

Prinzessin Estelle oder: Geht die Queen eigentlich zur Fußpflege?

Magdeburg l Zweienhalb Stunden lang blaues Blut und ein paar Spritzer Wasser: Dank des ZDF durfte ganz Deutschland mit ansehen, wie eine junge Schwedin in Stockholm als Prinzessin... weiterlesen

 Ein Textbuch zum Zerbster Prozessionsspiel, das erstmals 1507, möglicherweise auch schon 1502, aufgeführt wurde. Das Original wurde jetzt im Zerbster Stadtarchiv wieder entdeckt. | Foto: Helmut Rohm

Einmalig in Mitteldeutschland: Originale des Zerbster Prozessionsspiels in Archiv entdeckt

Verschollen geglaubt waren die Handschriften zum Zerbster Prozessionsspiel. Im Stadtarchiv wieder entdeckt, werden die für Mitteldeutschland einmaligen Originale in eine... weiterlesen

Keine Nachricht mehr verpassen!



Sie vermissen einen Artikel?


Die Volksstimme komplett als E-Paper

Bestellen Sie sich jetzt die tagesaktuelle Ausgabe der Volksstimme bequem als digitales E-Paper für nur 1,00 Euro in unserem Onlinekiosk.


Anzeigen


Bilder aus Sachsen-Anhalt


Brocken-Benno feiert am 80. Geburtstag seinen 6666. Gipfelsturm
An seinem 80. Geburtstag ist Brocken-Benno zum 6666. Mal auf den 1142 Meter hohen Harzgipfel gewandert.

Benno Schmidt aus Wernigerode stürmt den Gipfel - zum 6666. Mal - zu seinem 80. Geburtstag... weiterlesen


22.05.2012 16:55 Uhr
  • Kamera


Mitmachzirkus: Junge Stars in der Manege

Die 110 Schüler der Reutter-Grundschule haben eine ganz besondere Schulwoche erlebt: Sie durften an... weiterlesen


22.05.2012 09:51 Uhr
  • Kamera


Brocken-Bennos Extra-Tour

Wernigerode (ru) l Für die Volksstimme ist Benno Schmidt, genannt Brocken-Benno, am Sonnabend, 19... weiterlesen


21.05.2012 18:57 Uhr
  • Kamera


SWM-MusiCids-Finale

Foto-Impressionen vom SWM-MusiCids-Finale. weiterlesen


21.05.2012 14:36 Uhr
  • Kamera


15 000 Fans beim Grönemeyer-Konzert in Magdeburg
Foto: Uli Lücke-- Nach dem Erfolg seiner Stadion-und Open-Air-Konzerte mit mehr als 500.000 Zuschauern im letzten Jahr war Herbert Grönemeyer mit seinem aktuellen Album "Schiffsverkehr" sowie all seinen großen Hits am Sonntag Abend im Magdeburger Elbauenpark zu erleben. Rund 15.000 Zuschauer kamen, um ihren Rockstar live zu erleben.

Rund 15000 Besucher waren gestern Abend beim Open-Air-Konzert von Herbert Grönemeyer im Elbauenpark... weiterlesen


21.05.2012 08:43 Uhr
  • Kamera


Schwerstverletzte bei Unfall auf der Bundesstraße 1
Blick auf eines der zertrümmerten Fahrzeuge.

Drei Frauen sind bei einem Unfall an der Bundesstraße 1 nahe Möser im Jerichower Land verletzt... weiterlesen


18.05.2012 16:36 Uhr
  • gefallen
  • Kamera


Weitere Bildstrecken

Neueste Leserkommentare


Der Tunnel kommt doch ....! Die Typen vom BUND (die noch auf Kosten der Steuerzahler agieren) machen die ganze Thematik TUNNEL um das doppelte teurer. Das diese "Fraktion" nicht endlich beiseite geschoben wird, ist mir unverständlich. Was ist das bloß für eine Gesellschaft ?! Zu DDR-Zeiten war dieser tunnel im Gespräch, weil er gebraucht wurde und gebraucht wird. Nur mit dem Unterschied, die DDR hatte kein Geld. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die Sache durchziehen !

von SpeedfireOne am 22.05.2012, 13:00 Uhr

Vergesst die inzwischen verschwundenen Museen nicht! Da gehen große Kostbarkeiten verloren - wie im Fall des in Sachsen-Anhalt einmaligen und großen Natur- und Völkerkunde-Museums "Julius Riemer" in Wittenberg. Das hat inzwischen geschlossen und es steht in den Sternen, ob es je wieder in annähernd der Größenordnung zu sehen sein wird wie bisher. Siehe auch www.riemer-museum.de - die Webseite der Bürgerinitiative, die versucht, das Museum zu retten. Dort gibt es auch eine Fotogalerie (im Aufbau) über die breit gefächerte Sammlung kostbarer und kostbarster Zeugen der Entwicklung des Lebens und vor allem der Menschheitskultur.

von Bruni-K am 22.05.2012, 09:28 Uhr

Weitere Leserkommentare

Facebook



Nutzerlogin

Loggen Sie sich auf Volksstimme.de ein, um

- kostenlos den Volksstimme.de-Newsletter zu abonnieren
- Artikel auf Volksstimme.de zu kommentieren
- Ihre eigene Startseite (Nachrichtenbereich) zu gestalten

Sind Sie noch kein Nutzer auf Volksstimme.de? Dann registrieren Sie sich doch einfach und kostenlos!

Für die Anmeldung müssen Cookies in Ihrem Browser aktiviert sein.
Wichtiger Hinweis für Volksstimme.digital-Nutzer: Bitte nutzen Sie diesen Link oder klicken Sie auf E-Paper Login in der oberen Navigation

Benutzername: Passwort:

Jetzt anmelden Passwort vergessen