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Magdeburg l Die Männer in Weiß werden von ihren blauen Kollegen mit einem Augenzwinkern "Seepferdchen-Polizisten" genannt. Doch ohne die Wasserschutzpolizei würden sich auf Flüssen und Seen die Rowdys tummeln und Straftaten auf Gewässern nicht verfolgt werden.
So ganz wohl fühlt sich Dietmar Bloch von der Magdeburger Wasserschutzpolizei nicht in seiner Haut. Und das hat mit der Bootstaufe vor wenigen Tagen zu tun. Am 14. Juni hatte Birgit Knopf von Technischen Polizeiamt Sachsen-Anhalt ein 265 PS starkes Wasserschutzboot auf den Namen "Altmark" getauft. Aber erst im siebten (!) Anlauf war die Sektflasche am Bug des 13,5 Meter langen und drei Meter breiten "WSP 15" zerschellt.
"Kein gutes Omen", meint der wie alle "See-" und "Flussbären" abergläubische Bloch. Er hat auch gleich zwei Beispiele zur Hand, um seine Worte zu belegen. "2011 brannte es auf dem Ausflugsschiff MS ,Präsident' im Tangermünder Hafen aufgrund eines Elektrikdefekts. 1000 Euro Schaden." Bereits 1999 sei bei einer Probefahrt auf dem Fahrgastschiff "Sachsen-Anhalt" Feuer ausgebrochen. "In beiden Fällen war zuvor die Taufe schiefgegangen." Gott sei Dank seien bei beiden Unfällen keine Passagiere an Bord gewesen.
Und auch das vergangene hätte schlimmer kommen können. Mit Blick auf 2011 atmet der Beamte auf, dass es keine Havarie eines Tanklastschiffs gegeben hat: "Ein Zeichen für die Zuverlässigkeit der Flotte."
Aus seiner langjährigen Arbeit als Wasserschutzpolizist hat Bloch sofort eine lange Liste von Kuriositäten zur Hand. Stichwort: versunkene Autos. "Als während des Baus des Wasserstraßenkreuzes die Schwimmschächte des vor dem Krieg angefangenen Schiffshebewerks Hohenwarthe im Jerichower Land abgerissen wurden, entdeckte man darin rund 20 Autos, die illegal entsorgt worden waren." Allerdings seien die meisten Fahrzeuge ihren Besitzern zugeordnet worden. "Das ist für die Umweltfrevler ganz schön teuer geworden." Ein anderer Pkw sei hingegen nie wieder gefunden worden: "Beim Bau der ,Sternbrücke' war ein Auto in die Elbe gerollt. Mit einem Hund darin."
Tragisch sei jeder Wasserunfall, bei denen Todesopfer zu beklagen sind. "Leider wird der Cracauer Wasserfall in Magdeburg immer wieder unterschätzt." So fehle von einem Jugendlichen, der mit anderen Jungs in den 1990er Jahren in einem Schlauchboot bei einer Fahrt über den Wasserfall gekentert sei, bis heute jede Spur.
"Selbst erfahrenen Kanuten wurde der Wasserfall zum Verhängnis. Zu ihnen gehört auch ein Sportler, der bei Hochwasser anlässlich einer sogenannten Inseltour den Wasserfall von unten angefahren und gekentert war." Das Gefährliche seien Strudel am Grund und "Wasserwalzen" die alles, was in ihren Bereich komme, festhalte.
Einen ähnlichen Unfall wie die in Magdeburg habe es am Wehr in Calbe gegeben. Ein Arbeitsboot der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sei gekentert, ein Lehrling ertrunken.
103 Wasserschutzpolizisten kümmern sich an den drei Dienstorten - Magdeburg, Dessau-Roßlau und Havelberg - darum, dass auf den Gewässern und im Uferbereich Recht und Ordnung eingehalten werden. So wird bei Streifen unter anderem darauf geachtet, ob noch alle Schifffahrtszeichen an ihrem Platz stehen oder ob sie Naturgewalten oder Vandalismus zum Opfer fielen.
Alarmstufe Rot gibt es bei Schiffsunfällen. 2011 waren es im Bereich der Binnenschifffahrt 50. Ein sehr brisanter habe sich Ende der 1990er Jahre ereignet. Ein Motorschlepper war im Winter gekentert. Bloch: "Seine Dieselspur ließ sich bis Wittenberge verfolgen."
Alkohol am Ruder sei nach wie vor ein Problem und das nicht nur bei feierfreudigen Sportbootlenkern. "Auch Binnenschiffer nehmen es nicht so genau. Werte von mehr als drei Promille wurden bei Kontrollen schon gemessen." Erst kürzlich mussten die "Seepferdchen" auf einem polnischen Schiff eingreifen. Dort war es nach einem Gläschen zu viel zum Streit gekommen. Der Schiffsführer kam mit Schnittverletzungen an den Händen ins Krankenhaus.
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