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Die Kriminalpolizei vermutet den 36-jährigen Gewaltverbrecher Silvio Titsch noch immer in Aschersleben. Er wird in einem Unterschlupf bei Bekannten im Milieu vermutet. Derweil prüft die Justiz Versäumnisse der beiden Vollzugsbeamten.
Magdeburg l Die Kriminalpolizei ist sich fast sicher: Der flüchtige Gewalttäter Silvio Titsch dürfte irgendwo in Aschersleben, vermutlich bei alten Freunden, untergetaucht sein. "Dafür spricht sehr viel", erklärte gestern Karl-Albert Grewe, Kriminaldirektor der Polizeidirektion Nord.
Seine Fahnder suchen zurzeit alle möglichen "Kontaktpersonen" des Gewaltverbrechers auf und befragen sie. Der vierfache Vater soll im Milieu der 29000-Einwohner-Stadt, seiner Heimat, einige Kontakte gehabt haben. Er selbst rühmte sich bei einer seiner letzten Verhandlungen auch damit, dass "alle in Aschersleben Angst" vor ihm hätten. Vielleicht hilft dies ihm auch jetzt. Titsch soll ein typischer Alpha-Mann sein, zwar nicht intelligent, aber sehr gewaltbereit.
Der psychiatrische Gutachter Dr. Stephan Pecher sagte in einer Gerichtsverhandlung 2007 wegen der Vergewaltigung von zwei damals 20-jährigen Frauen aus: "Zur Durchsetzung eigener Bedürfnisse setzt er immer Gewalt ein, und zwar zielgerichtet und situationsbedingt." So soll der Zwei-Zentner-Mann zum Beispiel auch in Westdorf bei Aschersleben einen anderen fast totgeschlagen haben.
Passant in den 90er Jahren einfach zu Tode geprügelt
In den 90er Jahren habe er einen Passanten tatsächlich zu Tode geprügelt, der Titsch eher als Scherz zugerufen hatte, er solle nicht so schnell fahren. Als dann seine Fahrrad-Kette riss, rastete er total aus. Damals wurde Titsch wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.
Auch die neuere Urteils- liste ist lang. Staatsanwalt Uwe Hornburg sagte: "Die beiden Vergewaltigungen im Jahr 2006 haben im Jahr 2007 zu einer Verurteilung von acht Jahren Freiheitsstrafe geführt. Zugleich gab es weitere Verfahren wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und anderer schwerer Straftaten, aus denen weitere Strafen von neun Jahren und sieben Monaten gebildet wurden. Einschließlich der Untersuchungshaft bleibt Herr Titsch bis 2024 in Haft - mit anschließender Sicherungsverwahrung."
Wenn er denn gefunden wird. Für Kriminaldirektor Karl-Albert Grewe ist dies aber nur eine Frage der Zeit. Er sagte: "Titsch ist zwar kein durchgeknallter Psychopath, aber sehr gefährlich."
Dass angesichts der Liste von Straftaten die Flucht überhaupt möglich war, beschäftigt gegenwärtig auch das Justizministerium.
Beamte wollen permanent in Wohnung gewesen sein
Vorwürfe, dass die Beamten zu lax mit der Bewachung des Gefangenen in der Aschersleber Wohnung umgegangen sein sollen, dementiert Justizsprecherin Ute Albersmann. Die Mutter des sechsjährigen gemeinsamen Sohnes mit Titsch hatte einer Zeitung gegenüber behauptet, dass einer der Beamten sogar zum Bäcker gegangen sei, um Kuchen zu holen. "Beide Beamte erklärten, dass sie die Wohnung nie verlassen haben", sagt sie. Man werde die Vorgänge, die zur Flucht führten, aber genau prüfen. Fest stehe, dass Titsch einen Gang zur Toilette vorgab, dann nach draußen flüchtete und mit einem stecken gelassenen Schlüssel die Tür von außen abschloss.
Die Genehmigung für den bisher fünften Besuch des "bis dahin ruhigen Gefangenen" bei seinem Sohn erteilte der Burger Anstaltsleiter auf Antrag des Therapeuten und des Sozialen Dienstes. Er setzte extra zwei Beamte ein (normalerweise nur einer). Offenbar hatte er dennoch nicht ernsthaft mit einer Flucht gerechnet und im Einzelfall Handschellen während des Transportes angeordnet. Weitere Vorsorge, wie elektronische Fußfesseln, sind im geschlossenen Vollzug aber nicht erlaubt. In der JVA Burg gibt es 600 Strafgefangene mit durchschnittlich 24 solcher "Ausführungen" im Monat. Dazu kommen weitere 40 Vorführungen am Gericht und bei der Polizei. "So etwas ist im geschlossenen Vollzug hier noch nicht vorgekommen", so Albersmann.
Zwischen Titsch und seinem Sohn gab es schon zahlreiche Kontakte, auch in der JVA Burg. Sie sollen von beiden Seiten erwünscht gewesen sein.
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