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Bürger haben in Wernigerode die Polizei alarmiert: Ein Mann in SS-Uniform sei in der Stadt unterwegs. Die Ordnungshüter konnten das Rätsel um die verbotenen Symbole auflösen. Die Kostüme dienten einem Filmdreh, der Offizier war ein Wernigeröder Statist.
Wernigerode l "Ich bin richtig stolz auf die Bürger in Wernigerode", sagt Gerald Fröhlich. "Die Menschen hier schauen nicht weg, sondern sehen hin", so das Fazit des Ordnungsamtsleiters. Als am Freitag ein Mann in SS-Uniform durch die Straße "Unter den Zindeln" spaziert war, hatte sich ein Bürger im Polizeirevier der Stadt gemeldet. Der anonyme Anrufer hatte erklärt, dass er verfassungsfeindliche Symbole gesehen habe und die Polizei gebeten, dem nachzugehen. Zwei Beamte und Gerald Fröhlich waren daraufhin zur Sekundarschule "Thomas Müntzer" aufgebrochen, wo der auffällig gekleidete Mann gesichtet worden war. "Dort war ein Filmteam gerade dabei, zusammenzupacken", so Fröhlich. "Sie hatten Szenen für einen Dokumentarfilm gedreht. Problematisch war nur, dass die Dreharbeiten nicht bei uns angemeldet waren." Er habe die Filmleute jedoch belehrt, dass sie das nächste Mal daran denken sollen.
"Wir wollten keine große Sache daraus machen", so Fröhlich. "Trotzdem sollte gerade bei der Arbeit mit verfassungsfeindlichen Symbolen vorher eine Genehmigung eingeholt werden." Jürgen Dittrich ist Leiter des Staatsschutzes beim Polizeirevier Harz. "Im Strafgesetzbuch ist das Tragen verfassungsfeindlicher Symbole strikt verboten", so Dittrich, "außer sie helfen, die Geschichte aufzuarbeiten oder zu dokumentieren."
Der Film erzählt das Leben der jüdischen Physikerin Lise Meitner, die als "Mutter der Atombombe" gilt. Unter anderem wird ihre Flucht aus Nazi-Deutschland 1938 in einem Zug in die Niederlande dokumentiert. "Diese Szenen haben wir in einem Waggon der Harzer Schmalspurbahnen gedreht", verrät André Elpel. Der Wernigeröder ist der Mann, der in der SS-Uniform steckte.
Er spielt im Film einen Offizier, der mit Meitner während ihrer Flucht im Zug sitzt. "Komisch und unwohl habe ich mich nicht gefühlt", so Elpel. "Mir war stets bewusst, dass es ein historisches Kostüm für einen Filmdreh ist und, dass ich nur eine Rolle spiele." Wegen seines authentischen Motorrads, einer Ardie von 1931, sei der Produzent vor zwei Monaten auf Elpel aufmerksam geworden. "Er hatte mich zufällig dabei beobachtet, wie ich in meiner Garage am Motorrad schraubte und mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit dem Zweirad in der Dokumentation mitzuspielen." Da habe er nicht lange gezögert. Der 48-Jährige: "Ich bin immer für neue Erfahrungen zu haben. Deswegen habe ich gleich zugesagt."
Anprobieren durfte er sein Filmkostüm im Voraus nicht. "Der Berliner Kostümverleih hat aus Sicherheitsgründen darauf verzichtet", erklärt er. Am Drehtag selbst habe ihn besonders das Verhalten der Schaulustigen gewundert. "Ich war überrascht, was die Leute alles angestellt haben, um ein Foto von mir in der Uniform zu schießen", erinnert er sich. "Ein Mann ist im Zug ein paar Mal an mir vorbeigeschlichen, bevor er blitzschnell ein Handy zückte, um ein Bild zu machen", erzählt er und schmunzelt. Die Dokumentation wird im kommenden Jahr im Fernsehen auf Arte ausgestrahlt.
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