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Sie sollen 0,9 Prozent mehr Honorar bekommen, etwa elf Prozent fordern die Ärzte und begründen das mit ihren gestiegenen Ausgaben. Die Mediziner im Land fühlen sich von den Krankenkassen "abgespeist" und bereiten sich auf Protestaktionen wie Warnstreiks vor.
Berlin/Magdeburg l Nein, von den gescheiterten Honorarverhandlungen der Ärzte und der Krankenkassen hatte die Kardiologin Martina Trümmel gestern Mittag noch nichts gehört. Es ist nicht so, dass sie das Thema nicht interessiert. "Aber wir ertrinken hier in Patienten", sagt die Medizinerin aus Quedlinburg. Vergangene Woche hatten einige Ärzteverbände den Krankenkassen im Falle platzender Verhandlungen Streiks und zeitweilige Praxisschließungen angedroht. "Bisher habe ich nichts davon gehört, dass auch nur einer der etwa 60 Kardiologen in Sachsen-Anhalt seine Praxis schließt. Hier bei uns, im ländlichen Raum, geht das gar nicht so einfach. Wir haben so viel zu tun - da ist jeder mit sich und seinen Patienten beschäftigt", sagt Martina Trümmel.
Mit Sorgenfalten blickt sie trotzdem auf die durch den Schlichterspruch vorgeschlagene Honorarerhöhung von 0,9 Prozent. "Das ist nichts", sagt sie und rechnet vor: "Pro Praxis wären das 1800 Euro mehr pro Jahr, also etwa 150 Euro im Monat. Ich habe sechs Angestellte: Wenn ich jedem von ihnen nur 20 Euro mehr Lohn zahlen würde, wäre das Geld also fast weg."
Martina Trümmel spricht damit eine Herausforderung an, mit der viele Mediziner zu kämpfen haben: die Lohnkosten der Arzthelferinnen. Gemäß Tarifverträgen stehen ihnen jährlich leichte Lohnerhöhungen zu. "Dann muss ich auch in neue Technik und Maschinen investieren, das sind große Dimensionen: Ein Gerät kann schon mal 50 000 Euro kosten. Wartungskosten, gestiegene Miet- und Strompreise sind ein weiterer Punkt. Die Kosten sind jährlich gewachsen, aber in den vergangenen Jahren wurden die Honorare nicht erhöht", ärgert sich die Quedlinburgerin und ergänzt: "Es heißt immer, die Ärzte wollen mehr Geld. Dabei sehen die Ärzte oft wenig von den steigenden Honoraren. Der Großteil wird von den steigenden Kosten verschlungen."
Auch den Genthiner Orthopäden Ronny Jaekel ärgern die Darstellungen der Gesetzlichen Krankenkassen und deren Spitzenverbände von den gierigen, "bösen Ärzten". "In Sachsen-Anhalt sind die Honorarzahlungen der Kassenärztlichen Vereinigung bei vielen der niedergelassenen Ärzte ein wichtiger Bestandteil der Einnahmen der Praxis. Wenn der Orientierungswert nicht angemessen steigt, werden die Kostensteigerungen der letzten Jahre nicht annähernd ausgeglichen. Das können wir nicht hinnehmen", erklärt Jaekel.
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