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Jetzt ist aber endgültig Schluss. Bernd Henneberg, einer der erfolgreichsten Schwimmtrainer der Welt, feiert morgen seinen 67. Geburtstag - und hängt nach 43 Trainerjahren Stoppuhr und Trillerpfeife an den symbolischen Nagel.
Magdeburg l Was macht ein gestandener Schwimmtrainer im ersten Urlaub nach all seinen bewegten Jahren am Beckenrand? Er genießt am herrlich weißen Strand auf den Malediven an der Seite seiner Ehefrau die zauberhafte Umgebung, schaltet völlig ab und freut sich auf möglichst viele Jahre nach dem stressigen Berufsleben.
"Hab' ich ja alles gemacht", versichert Henneberg, der morgen sein 67. Lebensjahr vollendet, mit dem ihm eigenen schelmischen Lächeln. Und dennoch: Der ruhige, besonnene Neu-Niederndodeleber hatte selbst während seines Aufenthaltes am Indischen Ozean den Laptop auf dem Schoß. Das Ergebnis: Eine vier A-4-Seiten umfassende Analyse des deutschen Schwimmsports nach den medaillenlosen Olympischen Spielen von London. Seine Resultate, von 32 deutschen Olympiamedaillen seit 1992 gewannen die ehemaligen Henneberg-Schützlinge Dagmar Hase und Antje Buschschulte je sechsmal olympisches Edelmetall - Hase 1992 sogar Gold.
Schonungslos (schließlich hat er als künftiger Pensionär nun seine festen Einkünfte) zieht "Henne", wie ihn seine engsten Freunde nennen, eine kritische Bilanz der London-Ergebnisse des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), nimmt Unzulänglichkeiten der Verbands-Strukturen messerscharf aufs Korn und geizt auch nicht mit kons-truktiven Vorschlägen. Zitate gefällig? Bitte: "Es gab kein Konzept für die unmittelbare Wettkampfvorbereitung auf Olympia", "In der wichtigsten Phase des Jahres suchten die Trainer nach individuellen Lösungen für die Vorbereitung ihrer Sportler", "Trainingsmethodische Grundprinzipien wurden außer Acht gelassen". Seine in Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen sandte Henneberg unter anderen an DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow und DSV-Diagnosetrainer Marcus Buck. Letzterer reagierte umgehend und teilte mit: "Ich sehe viele Dinge ähnlich."
Henneberg hatte vor zwei Jahren seinen Job als Lehrer am Magdeburger Sportgymnasium abgegeben, um als Honorartrainer des DSV den soeben aus Frankfurt/Main an die Elbe gezogenen Helge Meeuw auf Olympia 2012 vorzubereiten. Sein Verein, der SC Magdeburg, bereitet dem Coach am 12. Oktober einen großen Empfang. Für den Abend des gleichen Tages plant Henneberg ein "Ehemaligentreffen" mit Aktiven, Trainerkollegen und Weggefährten. Sogar sein ehemaliger Schützling Kathleen Nord (jetzt Feldfoss) reist aus den USA an.
Und dann soll wirklich Schluss sein mit dem Trainerjob. Fünf Jahre und neun Monate, so hat der in Magdeburg geborene ehemalige Moderne Fünfkämpfer errechnet, hielt er sich mit Sportlern in Höhentrainingslagern auf, weitere acht Jahre und 6 Wochen war er (ohne seine Frau Jutta) auf Trainings- und Wettkampfreisen unterwegs. "Aber meine Jutta hat den rückwärtigen Dienst immer toll gemeistert", macht er seiner Gattin ein dickes Kompliment.
Kommt nun gar so etwas wie Wehmut auf? Den Satz: "Ich kann gut mit meinem neuen Status leben", mag man dem 67-Jährigen so abnehmen oder nicht. Fakt ist, SCM und Olympiastützpunkt haben bislang (noch) nicht angefragt, ob und wie er seine Erfahrungen auch künftig mit einbringen kann. Lediglich Hennebergs ehemaliger Schützling, die heutige SCM-Trainerin Dagmar Hase, äußerte bisher die Bitte, von ihrem Ex-Trainer beraten zu werden.
Der erfolgreichste Schwimmtrainer Deutschlands geht in den Ruhestand. Oder doch nicht? Henneberg wird auch künftig mit Goldfischen zu tun haben - nun aber nur noch jenen in seinen beiden Teichen auf dem heimischen Grundstück. Und außerdem will er sich seinem zweiten Hobby, der Malerei, widmen ("Ich hatte in der Schule im Zeichnen immer eine 1"). Sein letztes, bereits zu Weihnachten 1995 begonnenes Gemälde - Öl auf Leinwand - steht seitdem halb fertig in einer Kammer. Es ist die Kopie eines Kunstwerkes seines holländischen Lieblingsmalers Vincent van Gogh, "Die Brücke".
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