Magdeburg. Geborstene Fensterscheiben, herabbröckelnder Putz, der Geruch von Staub und Dreck. Alte Gebäude, insbesondere alte Industrieanlagen haben diesen typischen Charme von erlebter Geschichte. Daher werden solche Immobilien wieder neu genutzt – auch für Kunst.
"Frohe Zukunft" ist ein engagiertes Projekt, gestemmt von 40 Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal. Dafür nutzen sie das alte MIS-Gebäude mit seiner belebten Geschichte. Zu Beginn Produktionsstätte des ersten serienreifen Düsentriebwerks der Welt, zog zu DDR-Zeiten dort die Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft ein. Nach deren Auflösung 1990 beherbergte das Gebäude noch für acht Jahre den Werkzeughandel Magdeburger Ingenieursservice, kurz MIS.
Und seit Oktober realisieren nun Studierende in dem historischen Industriebau eine Ausstellung, die nicht nur in den Räumlichkeiten stattfindet, sondern diese auch gestalterisch mit einbezieht. Lisa-Samira Henke studiert Journalistik/Medienmanagement und beschreibt die Anfänge: "Nach einer Besichtigung war klar, dass wir da rein wollen. Überall waren alte Büromaterialien, Schutt und Dreck. Eine Menge Arbeit, aber ein altes Gebäude mit viel Charme. Abgeblätterte Farbe überall, kaputte Lampen die von der Decke hängen – toll!" Stellt sich dennoch die Frage, warum ein Kommunikationsstudiengang eine Kunstausstellung organisiert. Die Antwort steckt in dem Wort Organisation. Diese habe nämlich einen Großteil der Arbeit ausgemacht, betont Samira. "Als Medienmanager geht es auch darum zu planen, organisieren und kalkulieren. Wir haben viele der Aufgaben verteilt, so gibt es ein Hauptorga-Team, Marketingleute und PR, wir haben die Dokfilmgruppe, Materialbeschaffung, Bauleitung, Grafik und Layout etc." Auch sei der Vermieter Romuald Frenjo eine große Hilfe gewesen, denn er hat das MIS-Gebäude kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auch für Materialien wie Farbe hat er sich eingesetzt. Außerdem garantiert eine Heizöl-Spende des Familienbetriebs Mundt dafür, dass es Studenten und schließlich Besuchern gemütlich warm ist. Und Sponsoren für alle anderen laufenden Kosten – wie der selbstgefertigte Flyer – mussten natürlich auch herangezogen werden: die Aufgaben von Managern eben.
Was der Besucher zu sehen bekommt, sind Interpretationen zum Thema "Frohe Zukunft". Acht Gruppen gestalten jeweils einen Raum, jeden unter einer anderen Thematik – von Politik über Sozialkritik bis hin zum absoluten Optimismus. Dazu haben die Studenten mehr oder weniger bekannte Fotografien aus der Medienwelt mit einem Beamer an die Wand projiziert. Mit Farbe und Kohle nehmen sie dann auf den rohen Wänden Gestalt an. Je nach Gruppenkonzept verfremdet oder detailverliebt. Manche Teams haben darüber hinaus auch Plastiken oder Skulpturen zur Raumgestaltung gefertigt.
Die Vernissage am Sonnabend, 4. Februar, beginnt um 19 Uhr. Ansonsten ist "Frohe Zukunft" für eine Woche bis zum 11. Februar täglich von 18 bis 22 Uhr geöffnet. Auf dem Programm stehen neben der Kunst auch Lesungen, Vorträge, Konzerte, DJs, Filmvorführungen und vieles mehr. Außerdem haben die beiden Studenten Julia Korth und Torsten Seidler das gesamte Projekt mit der Kamera verfolgt. Es wird also auch einen Dokumentarfilm geben.
*) Axel Fichtmüller studiert an der Hochschule Magdeburg-Stendal Journalistik/Medienmanagement
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