Magdeburg ( ae ). Berlin, Alexanderplatz, 4. November 1989 - eine Massendemonstration, bei der Hunderttausende Reformen, freie Wahlen und Meinungsfreiheit forderten. Über dieses geschichtsträchtige Ereignis war auch in der Volksstimme-Ausgabe vom 6. November zu lesen. Dies jedoch erst auf der dritten Seite der Zeitung.

Die Volksstimme, die damals Organ der SED-Bezirksleitung Magdeburg war, berichtete auf ihrer Titelseite zunächst über die Zehntausenden ( geschätzt wurden zwischen 35 000 und 50 000 Teilnehmer ), die am 4. November auf dem Magdeburger Domplatz demonstrierten. Zweieinhalb Stunden habe es an jenem Sonnabendvormittag heiße Debatten um einen erneuerten Sozialismus gegeben, schreibt die Volksstimme. Der " Magdeburger Domplatz wurde zu einem politischen Forum ", lautete die Schlagzeile. Wie zu lesen war, sei geurteilt und auch pauschal verurteilt worden. Kein Thema sei tabu gewesen. Meinungen und Gegenmeinungen seien, oft von Beifall, Pfiffen oder Buhrufen begleitet, aufeinandergetroffen.

Wie die Volksstimme berichtete, habe auch " Kugelblitze " - Ensemble-Mitglied Sylvia Löhken unter Beifall das Wort ergriffen. Sie wandte sich energisch gegen Hineinreden und Bevormunden bei Inszenierungen. Es stimme sie sehr traurig, wenn so viele junge Leute weggingen, und sie rief denen den Titel des allerneusten Programms zu : Bleibe im Land und wehre dich täglich !"

Neben den zahlreichen Reden, die an jenem Tag auf dem Domplatz Gehör fanden, berichtete die Volksstimme auch über die zahlreichen Transparente, welche von den Demonstranten mit sich geführt wurden. " Wir brauchen Reformen – Mehr Demokratie !" oder " Visafrei bis Hawaii ", sind nur zwei von zahlreichen Losungen.